Berchtesgaden (epd). Großbrand beim Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden: Das Haus, das in der Zeit des Nationalsozialismus Teil des Führersperrgebietes Obersalzberg war, sei bei dem Brand am Freitagabend „weitestgehend zerstört worden“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd dem Evangelischen Pressedient (epd) auf Anfrage am Samstagmorgen mit. Nach Angaben der Dokumentation Obersalzberg ist die historische Ausstellung von dem Brand im Kehlsteinhaus nicht betroffen und hat regulär geöffnet.
Es seien durch den Brand keine Personen verletzt worden, aber es sei eine Person vorläufig festgenommen worden, bei der es Anhaltspunkte gebe, dass sie in Verbindung mit dem Brand stehe. Die Kriminalpolizei Traunstein habe die Ermittlungen zur Brandursache, unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein, übernommen.
Ort der Geschichtsvermittlung
Der Leiter der Dokumentation Obersalzberg, Sven Keller, sagte dem epd auf Anfrage, auf die Arbeit der Dokumentation Obersalzberg werde der Brand wenig Auswirkungen haben. „Zu beklagen ist der Verlust materiellen historischen Erbes gleichwohl, es anzuzünden ist keine Lösung“, unterstrich der Historiker. „Auch wenn es ein schwieriges Erbe ist: Man verliert damit die Chancen für Geschichtsvermittlung und Aufklärung, die ein verantwortungsvoller Umgang damit bietet. Solche Orte wecken Interesse, sie bieten Reibungsfläche und Diskussionsanlässe.“
Das Teehaus auf dem Kehlstein wurde 1937/38 als Ausflugsziel für Adolf Hitler gebaut, der es laut Keller allerdings nur selten nutzte. „Wir wissen nur von 14 Besuchen, er brachte vor allem ausländische Staatsmänner, Diplomaten und Journalisten hinauf“, sagte der Historiker, der auch Abteilungsleiter im Institut für Zeitgeschichte München-Berlin ist. Das Kehlsteinhaus sei Überwältigungsarchitektur: „Die Gäste sollten durch die Bergkulisse beeindruckt werden - und auch durch die technische Leistung, mit der man sich dort die Natur untertan gemacht hatte.“
Touristische Nutzung nach dem Krieg
Das Gebäude habe das Kriegsende praktisch unbeschadet überstanden, und es habe auch deshalb Symbolcharakter gehabt. In den Nachkriegsjahrzehnten wurde das auf 1.834 Metern gelegene denkmalgeschützte Kehlsteinhaus vor allem touristisch genutzt. Seit 2017 gab es dort eine von der Dokumentation Obersalzberg betreute Ausstellung.




