Osnabrück (epd). Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, hat mit Blick auf den Nahostkonflikt für das Leitbild des gerechten Friedens geworben. Schritte hin zum Frieden seien nur möglich, wenn die Konfliktparteien vom „rein militärischen Sicherheitsdenken“ und der Logik des Aufrüstens wegkommen, sagte der mitteldeutsche Landesbischof am Freitagabend beim Ökumenischen Friedensdialog in Osnabrück zum Thema „Der Nahostkonflikt als friedensethische Herausforderung“.
Es gebe keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Friede müsse gewagt werden, auch auf die Gefahr hin, zu scheitern, führte Kramer aus. Das „dynamische Leitbild“ der EKD-Friedensdenkschrift von 2025 („Welt in Unordnung“) erlaube es dabei, kleine Schritte zu denken. Auch wenn der Krieg das Leben im Krisengebiet insgesamt bestimme, lohne es sich, Gewalt, Unfreiheit und Not vor Ort bekämpfen. Doch nur wer die große Perspektive vor Augen habe, sehe diese Möglichkeiten im Kleinen.
Kinder wollen „Märtyrer“ werden
Es gebe Menschen, die sich in Israel für ein solches Umdenken einsetzen, auch wenn dies immer schwieriger werde, sagte der Theologe und verwies auf einen Medienbericht über das Westjordanland. Darin hätten palästinensische Kinder auf die Frage, was sie werden wollen, „Märtyrer“ geantwortet. „Da gibt es keine andere Idee mehr, außer dass man sowieso stirbt und sich in die Luft sprengt. Da braucht es etwas anderes. Und es braucht Menschen, die das auch denken.“
Seit 2021 laden die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit regelmäßig zum Friedensdialog ein. Die Veranstaltung wechselt jährlich zwischen Osnabrück und Münster, den Städten, in denen 1648 der Westfälische Friede beschlossen wurde.




