Förderverein sieht Gedenkstätten unter Druck

Förderverein sieht Gedenkstätten unter Druck
Der Förderverein Buchenwald hat eine neue Webseite zu den KZ-Außenlagern vorgestellt. Vielerorts fehlt es an Menschen, die sich für die Erinnerungsarbeit einsetzen. Zudem geraten Gedenkstätten und Initiativen zunehmend unter Druck.
23.10.2026
epd
Von Matthias Thüsing (epd)

Weimar (epd). Der Förderverein Buchenwald blickt mit Sorge auf die Lage von Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen, die von öffentlichen Fördermitteln oder kommunaler Unterstützung abhängig sind. Besonders prekär sei die Lage für Standorte in Sachsen-Anhalt nach dem Wahlsieg der AfD bei den Landtagswahlen, sagte der Vereinsvorsitzende Janos Varga am Freitag in Weimar zur Präsentation einer neuen Internetseite zu den Außenlagern des Konzentrationslagers Buchenwald. Auch Gedenkorte, die von politischen Entscheidungen auf Kreis- oder Gemeindeebene abhängen, könnten künftig unter Druck geraten.

Das NS-Konzentrationslager Buchenwald war umgeben von einem System von Außenlagern. An mehr als 140 Standorten wurden insgesamt etwa 280.000 männliche und weibliche Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Zehntausende wurden ermordet, starben an Hunger, Erschöpfung, Kälte, Krankheiten oder Misshandlungen.

Bedrohungen haben zugenommen

Insgesamt hätten an Gedenkorten Bedrohungen gegen das Personal und Schmierereien in den vergangenen Jahren zugenommen, sagte Varga. Während die hauptamtliche geführte Gedenkstätte Buchenwald auf diese Vorfälle angemessen reagieren könne, seien vor allem auf dem Land Initiativen und Einzelpersonen häufig auf sich allein gestellt. Als Beispiel einer symbolischen Bedrohung und Behinderung der Erinnerungsarbeit in kleineren Orten verwies Varga auf die Entscheidung des Stadtrats im sächsischen Heidenau, keine weiteren Stolpersteine verlegen zu wollen.

Die Lage der Initiativen ist den Angaben zufolge auch Thema der diesjährigen Netzwerk-Tagung, die noch bis Sonntag in Weimar stattfindet. Unter dem Titel „(Un-)Sichtbare Orte? Außenlager in der Mitte der Gesellschaft“ gehe es um die Rolle der Außenlager für NS-Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit mitten in Städten und Dörfern. Dabei werde der Frage nachgegangen, wie das Gedenken gesellschaftlich verankert und die oft unsichtbaren Orte ehemaliger Außenlager dauerhaft als Gedenkorte gestaltet werden können.

Neue Webseite zu Buchenwalds Außenlagern

Die neue Internet-Plattform zu den Außenlagern von Buchenwald soll historische Informationen bündeln und die Arbeit der Initiativen und Einrichtungen sichtbar machen, die sich vor Ort für die Erinnerung an die NS-Verbrechen einsetzen. Die Internetpräsenz umfasst laut Varga 142 Detailseiten inklusive des Stammlagers Buchenwald. An 82 Standorten gebe es ansprechbare Akteure der Erinnerungsarbeit. An 60 Standorten fehlten diese. Der Verein wolle sowohl das große Netzwerk für ein würdiges Gedenken sichtbar machen als auch darauf aufmerksam, dass Tatorte verschwinden, wenn eine Erinnerung an die Verbrechen nicht dauerhaft gesichert werde.

Die von Kolja Lohf gestaltete Webseite präsentiert die Außenlager unter anderem über eine interaktive Karte. Schlagworte sollen die Recherche erleichtern. Gedenkstätten, Vereine und ehrenamtliche Initiativen können künftig selbst Informationen, Veranstaltungstermine und Angaben zu ihrer Arbeit hinzufügen. Die Seiten sollen historische Überblicke, Angaben zum Zweck der Lager und zu ihrer Auflösung liefern. Ergänzt werden sie durch Fotografien sowie Informationen zu Gedenkzeichen.