Architektenverein warnt vor möglichem Abriss von NS-Bunker

Architektenverein warnt vor möglichem Abriss von NS-Bunker
Mehr als 1.000 Quadratmeter eines NS-Bunkers sind an der Voßstraße in Berlin-Mitte erhalten. Doch die Anlage soll zugunsten von Neubauten abgerissen werden. Dagegen regt sich Protest.

Berlin (epd). Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) setzt sich gegen den möglichen Abriss eines historischen NS-Bunkers in Berlin-Mitte ein. Die erhaltenen Teile des Haupt-Bunkers der Neuen Reichskanzlei an der Voßstraße zählten zu den letzten baulichen Zeugnissen des ehemaligen NS-Machtzentrums, erklärte der Verein am Freitag. Der private Eigentümer des Geländes plant den Bau von Wohnungen und Büros. Dafür soll die unterirdische Anlage abgerissen werden. Der AIV spricht sich indes für eine Umwandlung in einen Erinnerungsort aus.

Damit knüpft der Verein an Forderungen des Vereins Berliner Unterwelten an. Dieser hatte im August ein Konzept vorgestellt, laut dem das Bauprojekt bei gleichzeitigem Erhalt des darunter liegenden Bunkers umgesetzt werden könnte. Dort solle eine Dokumentations- und Gedenkstätte auf rund 1.200 Quadratmetern entstehen. AIV-Vorstandsmitglied Harald Bodenschatz erklärte, es gehe darum, die bauliche Entwicklung des Standorts „mit der historischen Verantwortung Berlins in Einklang zu bringen“.

Senat verweist auf vertragliche Verpflichtungen

Im vergangenen Jahr hatte sich bereits der Landesdenkmalrat in Berlin dafür ausgesprochen, eine Eintragung des Bunkers in die Denkmalliste zu prüfen. Die Senatsbauverwaltung verwies jedoch auf vertragliche Verpflichtungen des Landes zur Baufeldfreimachung und Bebauung gemäß den bisherigen Plänen.

In dem Bunker fanden während des Zweiten Weltkriegs Mitarbeiter der Reichskanzlei sowie Frauen und Kinder Schutz. Die Anlage ist nicht mit dem zerstörten sogenannten Führerbunker gleichzusetzen, in dem Adolf Hitler sich kurz vor Kriegsende selbst tötete.