Wiesbaden (epd). Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, empfindet viele politische und gesellschaftliche Debatten in Deutschland als zu stark auf die Vergangenheit bezogen. „Wir sind rückwärtsgewandt“, sagte Leibinger am Freitagabend bei der 60-Jahr-Feier des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (aeu) in Wiesbaden.
Allzu oft stehe die Klage darüber im Vordergrund, was früher vermeintlich besser war. Stattdessen müsse der Fokus von der Vergangenheit auf die Zukunft gerichtet werden. Es fehle ein „Zukunftsbild“ für Deutschland.
Bischöfin Fehrs spricht von „unglaublichen Transformationen“
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, räumte ein, dass es ihr in der aktuellen politischen Landschaft nicht leicht falle, Zuversicht zu behalten. Ihr helfe die „Hoffnungstradition“ des christlichen Glaubens.
Ihrer Einschätzung nach haben viele Menschen heute mit starken Vertrauensverlusten zu kämpfen. Sie sprach von „unglaublichen Transformationen“ in vielen gesellschaftlich Bereichen.
Der aeu-Vorsitzende Friedhelm Wachs erinnerte an die Gründungsgeschichte des Arbeitskreises, die eng mit der Etablierung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden ist. Aus Sicht von Wachs braucht die Soziale Marktwirtschaft Unternehmer, die bereit sind, ihre Freiheit verantwortlich zu nutzen. Die Kirche erinnere daran, dass unternehmerischer Erfolg nicht der alleinige Maßstab für menschliches Handeln sei.
Wachs warnt vor der Marktmacht von US-Konzernen und chinesischen Firmen in der digitalen Welt. Europa müsse Lösungen finden, um Innovationen zu ermöglichen, ohne die Menschen der Marktmacht von Unternehmen auszuliefern.
500 Mitglieder im Netzwerk
Der aeu als Netzwerk protestantischer Unternehmer, Manager und Führungskräfte wurde 1966 in Frankfurt am Main gegründet, um innerhalb der Kirche Verständnis für unternehmerische Entscheidungen zu wecken. Unter dem Gründungsvorsitzenden Walter Bauer, einem Textilunternehmer, hatten sich am 9. März 1966 zunächst 20 Unternehmer aus Frankfurt zum aeu zusammengeschlossen. In seinen Anfangsjahren verstand sich der Arbeitskreis vor allem als Gegengewicht zu etablierten gewerkschaftsnahen Arbeitnehmergruppen in der Kirche sowie zur kirchlichen Industrie- und Sozialarbeit.
Der aeu steht inzwischen auch leitenden Angestellten aus der Wirtschaft und Selbstständigen wie Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern offen, aber auch Ökonomie-Professoren und Leitern großer diakonischer Einrichtungen. Zu seinen Aufgaben gehören die Mitwirkung an Äußerungen der evangelischen Kirche wie der Unternehmer-Denkschrift von 2008, die Organisation von fachlichem Austausch und Angebote zur Glaubensvergewisserung für die mehr als 500 Mitglieder in 14 Regionalgruppen.




