Veranstalter von "Miss Germany" wollte keine "Fleischbeschau" mehr

Veranstalter von "Miss Germany" wollte keine "Fleischbeschau" mehr
Max Klemmer hat die "Miss Germany"-Wahl vom Schönheitswettbewerb zur Auszeichnung für engagierte Frauen umgebaut. Dafür erhält der Veranstalter Anfeindungen aus den Reihen der AfD.

München (epd). Dem Veranstalter der „Miss Germany“-Wahl, Max Klemmer, war seine eigene Arbeit eine Zeit lang peinlich. „Das ging bis hin zur Scham. Ich habe mir die Frage gestellt, ob das Ganze überhaupt noch zeitgemäß ist“, sagte Klemmer der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag). Diese „Fleischbeschau“, wenn Frauen im Abendkleid und in Bademode über den Laufsteg liefen, habe er irgendwann nicht mehr mitmachen wollen, sagte Klemmer, der 2014 ins Familienunternehmen eingestiegen war. Heute ist Klemmer Geschäftsführer von Miss Germany Studios.

Ab 2020 baute Max Klemmer die Veranstaltung, die bereits sein Großvater und sein Vater jahrzehntelang organisiert hatten, gegen familieninterne Widerstände grundlegend um: von einem Schönheitswettbewerb hin zu einer Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen. „Wir bewerten Frauen heute nicht mehr danach, wie sie auf einem Laufsteg aussehen“, sagte Klemmer. Gekürt würden die Frauen in drei Kategorien: Founder, Mover und Leader. Dabei geht es um Gründerinnen, Vorreiterinnen in männerdominierten Berufsfeldern und Frauen in Führungsverantwortung.

AfD: Miss Germany nicht mehr „arisch“ genug

Dass das Aussehen kein Auswahlkriterium mehr sei, sorge aber auch für „sehr viel Gegenwind“, sagte der 30-Jährige: „Es landen regelmäßig Pressemitteilungen von AfD-Landesverbänden bei uns sowie viele E-Mails und Kommentare auf Social Media.“ Darin werde sich darüber beschwert, dass die „Miss Germany“ heute zu divers sei und nicht mehr dem klassischen Schönheitsideal entspreche. „Dass wir, das steht in den Nachrichten so wörtlich drin, 'das Bild der deutschen, arischen Frau' kaputt machen“, sagte Klemmer.