Menschenrechtsinstitut sieht Fortschritte bei Kampf gegen Ausbeutung

Menschenrechtsinstitut sieht Fortschritte bei Kampf gegen Ausbeutung
Zur Prostitution oder Arbeit zu unwürdigen Bedingungen gezwungen zu werden, bleibt in Deutschland ein Problem, konstatiert das Institut für Menschenrechte. Es bescheinigt der Politik aber auch Fortschritte bei der Bekämpfung von Menschenhandel.

Berlin (epd). Das Deutsche Institut für Menschenrechte sieht in Deutschland Fortschritte bei der Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung. In den vergangenen beiden Jahren habe es wichtige Fortschritte in Bezug auf Gesetzgebung und Aktionspläne gegeben, sagte die Leiterin der Berichterstattungsstelle, Naile Tanis, am Donnerstag bei der Vorstellung des aktuellen Monitoringberichts in Berlin. Handlungsbedarf sieht das Institut vor allem in der Praxis. Es fehle an einheitlichen Standards und einer bundesweit verlässlichen Hilfsstruktur für Betroffene.

Das Institut erhebt alle zwei Jahre Daten zum Menschenhandel in Deutschland. Anders als behördliche Statistiken enthält der Bericht des Menschenrechtsinstituts auch Zahlen von Fachberatungsstellen, die deutlich höher sind. Tanis zufolge suchten dort 2024 rund drei Personen pro Tag Hilfe, an die Ermittlungsbehörden wandten sich zum Vergleich rund zwei Personen pro Tag.

Häufigste Formen sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung

Die zwei häufigsten Ausbeutungsformen blieben sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung, sagte Tanis. Opfer sexueller Ausbeutung seien weit überwiegend (90 Prozent) Frauen. Betroffene von Arbeitsausbeutung gebe es vor allem in den Branchen Bau, Pflege und Logistik. Gestiegen sei in den vergangenen zwei Jahren aber auch die Zahl der Fälle in der Gastronomie und in Hotels.

Das Institut lobte die Pläne der Bundesregierung, durch eine Verschärfung des Strafrechts Menschenhandel konsequenter zu verfolgen und zu ahnden. Wie vor zwei Jahren bereits beklagt das Institut aber weiter einen Mangel an Schutzwohnungen für Betroffene. Es müsse gewährleistet sein, dass alle Betroffenen bundesweit Zugang zu Unterstützung erhalten, sagte Institutsdirektorin Beate Rudolf. Aktuell ist das den Angaben zufolge regional sehr unterschiedlich.