Unicef: Kinder ohne Ausbildung kosten den Staat später Einnahmen

Unicef: Kinder ohne Ausbildung kosten den Staat später Einnahmen
Mangelnde Teilhabe von Kindern und Jugendlichen kostet den Staat langfristig mehr Geld. Das Institut der deutschen Wirtschaft und Unicef empfehlen stattdessen frühe Unterstützung bei Finanzen, Bildung und Gesundheit.

Köln (epd). Das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) werben für mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und Teilhabe von Kindern. „In Kinder zu investieren, und zwar gezielt in die besonders benachteiligten Kinder, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ökonomisch einfach vernünftig“, erklärte der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Graf Waldersee, am Donnerstag in Köln. Das IW hat im Auftrag des Kinderhilfswerks ein Gutachten und einen Report zu den ökonomischen Effekten der sogenannten Deprivation, also der Benachteiligung, von Kindern und Jugendlichen erstellt.

Nach Berechnungen der IW-Forscher übersteigen die Steuern und Abgaben eines Menschen im Laufe seines Lebens die von ihm bezogenen staatlichen Leistungen im Durchschnitt um 301.900 Euro. Je nach Bildungsweg gebe es jedoch große Unterschiede. So falle der fiskalische Beitrag bei einem akademischen Abschluss höher aus als bei einem beruflichen Abschluss.

Transferleistungen allein nicht ausreichend

„So kostet es den Staat langfristig 421.300 Euro, wenn es jungen Menschen nicht gelingt, einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben“, heißt es in der Studie. „Erkranken sie insbesondere auch aufgrund sozialer Deprivation an einer Depression, sind es 345.500 Euro.“ Für materiell benachteiligte Kinder liege der langfristige Fiskalbeitrag um 216.500 Euro niedriger als für nicht benachteiligte.

„Um die Lage nachhaltig zu verbessern, reichen die staatlichen Transferleistungen allein nicht aus, da sie nur dann effektiv wirken können, wenn die Deprivation tatsächlich nur aus finanziellen Engpässen der Familien resultiert“, schreiben die IW-Forscher Wido Geis-Thöne und Axel Plünnecke. Notwendig seien auch kompensatorische Angebote für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die unabhängig von der Ursache der Deprivation wirkten, wie ein Frühstücksangebot in den Schulen.