Hamburg (epd). Eine Studie im Auftrag von Greenpeace hat hohe finanziellen Folgen der Überdüngung für das Gesundheitssystem festgestellt. Demnach könnte nitratbelastetes Trinkwasser in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von knapp 75 Millionen Euro für die Behandlung von Darmkrebs verursachen, wie die Umweltschutzorganisiation am Donnerstag mitteilte. Hinzu kämen jedes Jahr fast 66 Millionen Euro an indirekten volkswirtschaftlichen Verlusten. Die gesellschaftlichen Kosten durch den Verlust an gesunden Lebensjahren würden sich auf rund 1,16 Milliarden Euro jährlich summieren, hieß es in der Modellrechnung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS).
„Wenn auch nur der Verdacht besteht, dass Nitrat im Wasser das Risiko für Darmkrebs erhöhen könnte, muss die Politik unsere Trinkwasserquellen besser vor diesen Folgen der Überdüngung schützen“, forderte Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. Darmkrebs habe verschiedene Ursachen. Menschen könnten sich dagegen wappnen, indem sie aufhören zu rauchen, weniger Alkohol trinken oder kein rotes Fleisch essen. „Wasser aber müssen wir alle trinken. Das macht das Nitratproblem so dringend“, sagte Töwe.
Dänemark will Grenzwert senken
Hauptursache für nitrathaltiges Grundwasser seien hohe Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft. Etwa zwei von drei Trinkwassermessstellen in Deutschland (62 Prozent) zeigen laut Nitratdatenbank Werte um die zehn Milligramm pro Liter. Der deutsche Grenzwert liege bei 50 Milligramm pro Liter, hieß es. Jedoch belegten Studien, dass sich bereits bei Konzentrationen weit unter dem deutschen Grenzwert das Risiko für Darmkrebs erhöhen könnte.
Dänemark plane, neben strengen Düngevorgaben auch einen Grenzwert von sechs Milligramm Nitrat pro Liter einzuführen. „Stickstoffüberschüsse zu verringern, ist nachhaltiger und günstiger, als nitratbelastetes Wasser kompliziert und teuer aufzubereiten“, sagte Töwe. Die Anpassungen würden zudem weitere negative Folgen wie die Überdüngung von Gewässern, Artensterben und Treibhausgasemissionen verringern.




