Essen, Berlin (epd). Die Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“ bietet neben telefonischer und Online-Beratung erstmals auch persönliche Erstberatungen für Betroffene sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext an. Am Mittwochabend eröffnete der Verein eine Beratungsstelle in Essen. Betroffene könnten dort in einem geschützten und vertraulichen Rahmen mit Berater Wilfried Fesselmann sprechen, erklärte der Verein mit Sitz in Berlin. Das Angebot sei kostenlos und vertraulich.
In einem Grußwort betonte die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, am Mittwochabend, dass Betroffene Expertise mitbrächten, die sich niemand sonst aneignen könne. Sie wüssten, welche Angebote funktionierten und wo es an Unterstützung fehle. Die neue Beratungsstelle in Essen zeige, wie Beratung von Betroffenen für Betroffene in einem geschützten und unabhängigen Raum gelingen könne.
Mehr unabhängige Anlaufstellen benötigt
Was es in Essen gebe, bräuchten Betroffene überall, sagte Claus laut Redetext: „Unabhängige Anlaufstellen, die Fragen zum Beispiel zu Ansprüchen, zur Unfallversicherung oder zur Antragstellung bei der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) beantworten, ohne das Betroffene ihre Geschichte immer wieder neu begründen müssen.“ Vergleichbare Angebote seien auch in der evangelischen Kirche nötig. Claus appellierte an die Politik, Betroffene zu hören und aktiv einzubeziehen. „Erst wenn aus den Erfahrungen Betroffener Gesetze, Leistungen und verlässliche Strukturen werden, ist Aufarbeitung gelungen.“
Die Essener Beratungsstelle bietet sowohl offene Sprechstunden als auch Beratungen nach vorhergehender Terminvereinbarung an. Der Verein „Eckiger Tisch“ setzt sich nach eigenen Angaben seit der Aufdeckung des Missbrauchsskandals im Jahr 2010 für Betroffene von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend im Kontext der katholischen Kirche ein.




