Tübingen (epd). Hitze, Verkehrslärm und schlechte Luft beeinträchtigen einer aktuellen Studie zufolge nicht nur den Körper, sondern gefährden auch die psychische Gesundheit. Vor einer deutlichen Zunahme von Depressionen, Angststörungen und Notfällen warnt die internationale Expertenkommission „Earth-Brain-Health Commission“, an der auch das Universitätsklinikum Tübingen beteiligt ist. In der Fachzeitschrift „Nature Mental Health“ fordern die Forschenden, die Psyche der Menschen künftig fest in der Umwelt- und Stadtplanung zu berücksichtigen.
Wissenschaftliche Studien belegen den Risikofaktor Umwelt: So ergab eine britische Langzeituntersuchung mit rund 390.000 Teilnehmern ein um 16 Prozent höheres Depressionsrisiko bei starker Luftverschmutzung. Zudem zeigt eine dänische Studie, dass Kinder, die in Gebieten mit wenig Grün aufwachsen, ein bis zu 55 Prozent höheres Risiko für spätere psychische Erkrankungen tragen. Anhaltende Hitze führe nachweislich zu mehr psychiatrischen Notfällen, während Dauerlärm den Schlaf störe und Ängste schüre.
Sozial benachteiligte Menschen besonders gefährdet
Der Tübinger Psychiatrie-Experte Andreas Heinz verweist darauf, dass besonders sozial benachteiligte Menschen mehreren Belastungen gleichzeitig ausgesetzt seien. Die Fachleute fordern von Kommunen und Politik konkrete Gegenmaßnahmen, etwa den Ausbau städtischer Grünflächen, wirksamen Lärmschutz an Hauptverkehrsstraßen sowie gezielte Hilfe für gefährdete Gruppen bei Hitzewellen.




