Hilfsorganisation rettet in fünf Einsätzen 227 Menschen aus Seenot

Hilfsorganisation rettet in fünf Einsätzen 227 Menschen aus Seenot
Fünf Einsätze innerhalb von 48 Stunden: Schiffe der Flüchtlings-Hilfsorganisation Sea Watch haben im Mittelmeer mehrere Hundert Menschen aus Seenot gerettet.

Berlin (epd). Die Besatzungen der beiden Rettungsschiffe Sea Watch 5 und Aurora 2 sind im zentralen Mittelmeer insgesamt 227 Menschen in Seenot zur Hilfe gekommen. Sie seien bei fünf Einsätzen innerhalb von 48 Stunden gerettet worden, teilte die Betreiberorganisation der beiden Schiffe, Sea Watch, am Dienstag in Berlin mit.

Während der Rettungseinsätze seien beide Schiffe von nicht identifizierten Booten bedrängt worden, hieß es weiter. „In einem Fall drohte ein Akteur, der sich als libysche Marine ausgab, der Sea-Watch 5 mit strafrechtlicher Verfolgung in Tripolis“, kritisierte die Organisation.

Drei Tage Fahrt zum Hafen

Die italienischen Behörden wiesen der Sea-Watch 5 den Angaben zufolge den rund 900 Kilometer entfernten Hafen Civitavecchia zu, was etwa drei Tage Fahrt entspreche. Der Aurora 2 sei der näher gelegene Hafen der süditalienischen Insel Lampedusa zugewiesen worden, den sie am späten Montagabend erreicht habe. Aufgrund begrenzter Treibstoffreserven hätte dieses Schiff keinen weiter entfernten Hafen erreichen können, erklärten die Verantwortlichen.

In einem Fall stabilisierte laut Sea Watch die Aurora 2 ein Boot in Seenot, bis die italienische Küstenwache eintraf und die Menschen an Bord nahm. Bei allen anderen Booten, von denen eines schon am Sinken gewesen sei, hätten die beiden Rettungsschiffe die bedrohten Bootsinsassinnen und -insassen an Bord genommen.

Drohung mit Gericht

Eine Rettungsaktion habe sich in der Nähe einer Offshore-Ölplattform mit beschränktem Zugang ereignet. Nachdem die Einfahrt zunächst genehmigt worden sei, habe ein Akteur, der sich über Funk als libysche Marine ausgegeben habe, die Crew aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Ansonsten habe er gedroht, sie in Tripolis vor Gericht zu stellen. Der Crew sei es jedoch gelungen, die Situation zu deeskalieren und alle 72 Menschen zu retten.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen und Tunesien in See. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Nur private Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen.