Ottonische Königspfalz soll Touristenattraktion werden

Ottonische Königspfalz soll Touristenattraktion werden
Zur Zeit der ottonischen Herrscher im 10. Jahrhundert gab es in Helfta bei Eisleben eine Königspfalz mit eindrucksvoller Basilika. Im Vorfeld einer touristischen Erschließung erkunden Archäologen bis zum 24. Oktober Teile des Areals.
12.10.2026
epd
Von Thomas Nawrath (epd)

Eisleben (epd). Ab Spätsommer 2029 soll die mittelalterliche Königspfalz Helfta als neuer Erlebnisort für Touristen und Geschichtsinteressierte in der Lutherstadt Eisleben ihre Tore öffnen. Dazu sollen Teile des historischen Königspalastes, der Siedlung und von Wallanlagen architektonisch nachgebildet werden, sagte der Bürgermeister der Lutherstadt Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz), Carsten Staub (parteilos), am Montag in Eisleben-Helfta.

Es sei angedacht, dass die einstmals bedeutsame Pfalz dann als einer der Korrespondenzstandorte der Landesausstellung zur ottonischen Kaiserzeit in Sachsen-Anhalt beworben wird. Die Gesamtkosten gab Staub mit etwa 12,8 Millionen Euro an. Davon wurden rund 8,5 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land zugesagt. Aktuell laufen vorbereitende archäologische Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt auf dem der „Kleine Klaus“ genannten Hügel oberhalb von Eisleben.

Steinbauten in einer Welt der Grubenhäuser

Die aktuellen Ausgrabungen förderten Mauerreste eines repräsentativen Steingebäudes mit Keller aus dem 10. Jahrhundert zutage, sagte Grabungsleiter Felix Biermann. Dieses neun mal fünf Meter große Gebäude könnte die Residenz des Burggrafen gewesen sein. Denkbar sei auch, dass dies ein Gästehaus für höchste Gäste des Herrschers gewesen sei, sagte Biermann. In jedem Fall sei dies „eines der ältesten profanen Steingebäude“, die bisher in Sachsen-Anhalt nachgewiesen wurden.

Vermutlich habe das Haus über eine Warmluftheizung oder zumindest einen Ofen verfügt, sagte Biermann. Der Bau sei lediglich 30 Meter entfernt gewesen vom 2022 ergrabenen zweistöckigen Königspalast und der 2021 nachgewiesenen Radegundiskirche. Die Ausgrabungen hätten nicht nur eine zuvor „vergessene Königspfalz“ neu entdeckt, sagte Biermann. Vielmehr hätten ihre Funde eine „prachtvolle Architektur“ und die hohe Stellung von Helfta für Kaiser Otto I. (912-973) und seinen Nachfolger, Otto II. (955-983), belegt. „Gleich mehrere imposante Steingebäude“ hätten herausgeragt „inmitten einer Welt von Grubenhäusern“, verdeutlichte Grabungsleiter Biermann.

Silbermünzen und verzierte Spangen

Zu den zahlreichen Funden der noch bis zum 24. Oktober laufenden Grabungen zählten zudem etliche Silbermünzen, darunter zehn Otto-Adelheid-Pfennige aus dem 10. Jahrhundert, silberne Ohrringe und emaillierte Gewandspangen. Auch zwei bearbeitete Geweihplättchen mit kreisförmigen Verzierungen, die wohl an Schmuck- oder Reliquienkästchen angebracht waren, hatten die Archäologen gefunden.

An der Ostseite des Königspalastes legten die Ausgräber zudem eine mit Steinen befestigte Terrasse mit einem repräsentativen Podest frei. Möglich, dass auf dem Podest bei Freiluftveranstaltungen der Herrscher Platz nahm, sagte Biermann.

Nördlich grenzte direkt der Friedhof der Radegundiskirche an. Dort wurden in den zurückliegenden Wochen etwa 20 Gräber aus der Zeit des 10. bis 13. Jahrhunderts ergraben. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren in Helfta rund 200 Gräber nachgewiesen worden.

Um die Geschichte der Pfalz Helfta noch besser verstehen zu können, sollen die Ausgrabungen auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.