Litfaßsäulen erinnern in Berlin an NS-Deportationen

Litfaßsäulen erinnern in Berlin an NS-Deportationen
Mehr als 1.000 jüdische Berlinerinnen und Berliner Juden wurden vor 85 Jahren mit dem ersten sogenannten "Osttransport" aus der Hauptstadt deportiert. Von Dienstag an erinnern 25 Litfaßsäulen an die Schicksale einzelner Menschen.

Berlin (epd). Mit großflächigen Plakaten auf 25 Litfaßsäulen wird in den zwölf Berliner Bezirken an den Start der NS-Deportationen von Juden, Roma und anderen vor 85 Jahren aus der Hauptstadt erinnert. Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ will bis 16. November mit Fotografien und Kurzbiografien einigen der deportierten Menschen ihr Gesicht und ihre Identität wiedergeben, sagte Projektleiter Günter Jeschonnek am Montag in Berlin. Offizieller Auftakt ist am Donnerstagabend mit einer Gedenkveranstaltung in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, erste Plakate sind aber bereits ab Dienstag zu sehen.

Das Projekt erinnert an den ersten sogenannten „Osttransport“, mit dem am 18. Oktober 1941 mehr als 1.000 jüdische Berlinerinnen und Berliner über den Bahnhof Grunewald ins Ghetto Litzmannstadt im besetzten Polen gebracht wurden. Insgesamt wurden schätzungsweise mindestens 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden deportiert.

Zeitzeuge bei Gedenkveranstaltung

Zur Veranstaltung in der Gedächtniskirche werden unter anderem der Zeitzeuge Michael Meisels, Überlebender des Ghettos Theresienstadt, der Vorsitzende des Weltkirchenrats, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sowie die Präsidentin des Internationalen Auschwitzkomitees, Eva Umlauf, erwartet. Auf dem Vorplatz der Kirche plant an dem Abend das Berliner Theater Anu eine Kunstinstallation als Ort des Erinnerns. Die Schauspielerin Hanna Schygulla liest Gedichte der Berlinerin Gertrud Kolmar (1894-1943), die in Auschwitz ermordet wurde.