Spendensäulen, QR-Codes oder Spenden-Apps: Wie modern eine Kirche aufgestellt ist, zeigt sich auch am Klingelbeutel. Der wird zunehmend digitaler. Von "zeitgemäßen Bezahlmethoden" spricht der Fundraiser der Evangelischen Kirche in Mannheim, Pfarrer Sebastian Carp.
Mit einer knapp eineinhalb Meter hohen Spendensäule in der Mannheimer Christuskirche startete in der Evangelischen Landeskirche Baden am 1. Dezember 2024 ein Pilotprojekt. Es war zunächst auf ein Jahr angelegt. Mittlerweile ist die Säule fester Bestandteil des kirchlichen Fundraisings. Es handele sich um "ein klassisches Tablet mit Mobilfunkkarte und Kartenlesegerät", erläutert Carp
Wer spenden will, kann zwischen fünf, zehn, 25 und 50 Euro oder einem "anderen Betrag" wählen. Carp sieht die digitale Kollekte als Ergänzung zum traditionellen Klingelbeutel. Nach seiner Erfahrung werde digital mehr gespendet. "Die gespendeten Beträge lagen im ersten Jahr im Durchschnitt höher als bei Bargeld."
Auf Wunsch mit Spendenquittung
Bei besonderen Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Benefizkonzerten, bei denen Spenden für einen bestimmten Zweck gesammelt werden, könnten höhere Beträge vorgegeben werden. Auf Wunsch stelle die Kirchengemeinde auch Spendenquittungen aus.
Die Kosten für die Säule und deren Betrieb rechnen sich. "Die Anschaffungskosten von 800 bis 900 Euro hatten sich nach der ersten Weihnachtssaison amortisiert", bilanziert der Theologe. Hinzu kommen rund 100 Euro Fixkosten im Jahr sowie eine kleine Transaktionsgebühr je Spende.
Organisatorisch sei es anspruchsvoller als der Opferstock aus Eiche: "Jemand muss sich für Updates und die technischen Voraussetzungen wie ein stabiles W-LAN oder alternativ Mobilfunknetz verantwortlich fühlen." Unterstützt wurde das Mannheimer Projekt von der Evangelischen Landeskirche in Baden (Karlsruhe).
Online-Spendenformulare auf Websites
Digitale Möglichkeiten, um Spenden und Kollekten entgegenzunehmen, nutzen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mittlerweile etliche Landeskirchen, Gemeinden und kirchliche Einrichtungen. In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg seien Online-Spendenformulare auf den Websites der Gemeinden weitverbreitet, sagt die dortige Leiterin für Fundraising, Michaela Kluin.
Diese könnten beispielsweise über QR-Codes auf Liedblättern, Plakaten, Gemeindebriefen, Gesangbüchern oder Präsentationsfolien im Gottesdienst aufgerufen werden. Die Landeskirche unterstütze ihre Gemeinden hierbei mit einem Rahmenvertrag. Derzeit seien rund 400 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen gemeldet.
Digitale Operstöcke auch in Bayern beliebt
Darüber hinaus nehme das Interesse an Spendensäulen zu. Einzelne Gemeinden wie die Kirchengemeinde Wendlingen im Raum Nürtingen und die Stiftskirchengemeinde Tübingen hätten in den vergangenen Jahren Spendensäulen erprobt oder dauerhaft eingeführt. Entsprechende Projekte gibt es auch in Freudenstadt, Reutlingen und Ulm.
Die Nachfrage nach dem digitalen Opferstock hat auch in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern (München) an Fahrt aufgenommen. Im oberfränkischen Hof wurde in St. Michaelis Anfang des Jahres eine digitale Spendensäule eingeweiht. "Wir rollen gerade Terminals aus", erläutert Stefan Kern vom Kompetenzzentrum Fundraising der Landeskirche. Die Lorenzkirche in Nürnberg verfüge seit diesem Sommer über ein solches Kartenterminal.
Berlin war Vorreiter des bargeldlosen Zahlens
Als Vorreiter des bargeldlosen Zahlens in der Kirche gilt der Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, der 2019 mit NFC-Technologie die digitale Kollekte startete. Die an einem Korb befestigten kleinen Lesegeräte ermöglichen digitales Spenden per Knopfdruck. In Kirchen mit vielen ausländischen Besuchern wie dem Kölner Dom oder der Marktkirche in Hannover bieten die digitalen Zahlsysteme eine unkomplizierte Möglichkeit zu spenden.
Die Zukunft freilich gehört laut Fundraiser Carp dem QR-Code. "Da hat mit dem Smartphone jeder seine Hardware schon dabei", sagt er. Allerdings - gibt er zu Bedenken - sei die Verbundenheit der Deutschen mit dem Bargeld nach wie vor groß. Deshalb wird es traditionelle Operstöcke auch weiterhin geben.




