Hannover (epd). Angesichts der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) müssen die Schulen nach Ansicht von Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) das kritische Denken und Urteilsvermögen sowie soziale und emotionale Kompetenzen von Schülern stärken. Resilienz, Empathie, Teamfähigkeit, Selbstorganisation und demokratisches Miteinander seien zentrale Zukunftskompetenzen, sagte die Ministerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Der kompetente Umgang mit KI wird zur neuen Kulturtechnik.“
Die Ministerin betonte, dass die Bedeutung von Bildung im Zeitalter von KI wachse. Für diese Bildung seien aber nicht in erster Linie neue Fächer notwendig, sondern neue Lernformen. „Wir brauchen keine Revolution des Fächerkanons“, stellte die Ministerin klar.
Lesen, Schreiben und Rechnen bilden die Basis
Die nötigen Kompetenzen entstünden nicht anstelle, sondern auf der Grundlage der Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften. „Wer nicht sicher lesen kann, kann auch KI-generierte Inhalte nicht kritisch bewerten“, betonte Hamburg: „Wer mathematische Zusammenhänge nicht durchdringt, kann kaum die Logik datengetriebener Systeme nachvollziehen.“
In der Schule der Zukunft müssten Jugendliche mehr denn je lernen, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen und Probleme zu lösen. Merkmale dieses zeitgemäßen Lernens sind der Kultusministerin zufolge eigenverantwortliche Lernformate sowie ein projektorientierter und fächerübergreifender Unterricht.
Das in Niedersachsen vor rund zwei Jahren für die neunten und zehnten Jahrgänge eingeführte Pflichtfach Informatik schaffe durch die Vermittlung von Wissen über Daten und Algorithmen die Grundlage dafür, Künstliche Intelligenz zu verstehen: „So lernen die Schülerinnen und Schüler, Quellen zu prüfen, Desinformation zu erkennen sowie Möglichkeiten und Grenzen von KI-Systeme zu verstehen.“
Eigenständiges Denken und Lernen stärken
KI könne den individuellen Lernprozess der Schüler bereichern, in dem sie zusätzliche Erklärungen liefere, differenzierte Aufgaben bereitstelle und unmittelbar Rückmeldungen gebe, sagte Hamburg. „Ihr Einsatz muss jedoch pädagogisch so gestaltet sein, dass eigenständiges Denken und Lernen gestärkt werden.“
Die Veränderungen durch KI im Unterricht wirken sich der Ministerin zufolge auch auf die Leistungsbeurteilung aus. In der gymnasialen Oberstufe könnten Schüler bereits heute klassische Klausurformate durch Fachinhalte ergänzen, für die KI kritisch reflektiert einbezogen wurde. Auch im Sekundarbereich I sollen diese alternativen Leistungsnachweise künftig ermöglicht werden, sagte die Ministerin.




