Berlin (epd). Vor einer Bundestagsdebatte über den Umgang mit vorgeburtlichen Tests auf das Risiko einer Behinderung hat sich die Diakonie für ein Monitoring ausgesprochen, wie es eine Gruppe von Abgeordneten fordert. „Wir brauchen dringend eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte darüber, was es bedeutet, wenn ein Pränataltest faktisch zu einem Screeningtest für alle Schwangeren wird“, erklärte Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch am Donnerstag. Es gehe nicht nur um Daten. Der Beschluss würde „Raum für eine ethische Debatte“ schaffen.
Der Bundestag berät am frühen Donnerstagabend über einen Antrag einer fraktionsübergreifenden Gruppe, die ein Monitoring nicht-invasiver Pränataltests einrichten will, um herauszufinden, aus welchen Gründen der Test angewendet wird und was die Folgen davon sind. Hintergrund des Antrags ist die vermehrte Nutzung des Tests, der anhand einer Blutprobe der Schwangeren Auskunft über die Möglichkeit einer genetischen Veränderung beim ungeborenen Kind geben kann. Konkret sucht der Test nach den Trisomien 13 und 18 sowie 21, bekannt als Down-Syndrom.
Kontroverse über Kostenübernahme durch Krankenkasse
Der Test wurde 2022 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Der Antrag der Abgeordneten stellt nicht explizit infrage, dass die Kosten weiterhin von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Eine andere Gruppe von Abgeordneten fürchtet aber, dass das beabsichtigt ist. Sie haben kurzfristig einen Änderungsantrag auf die Tagesordnung gebracht, der klarstellen soll, dass „der aktuelle Umfang der Kassenleistung“ erhalten bleiben soll. Wie die Abstimmung ausgeht, ist völlig offen.
Diakonie-Präsident Schuch plädierte für eine Evaluation, aus der Handlungsempfehlungen folgen. „Dabei kommt es auf zwei Punkte an: die Wahlfreiheit werdender Eltern schützen und die gesellschaftliche Anerkennung von Menschen mit Behinderungen“, sagte er. Es müsse auch darum gehen, Familien mit Kindern mit Behinderungen zu unterstützen.




