Düsseldorf (epd). Mit einem Gedenkort erinnert der nordrhein-westfälische Landtag seit Dienstag an frühere Abgeordnete, die im Nationalsozialismus verfolgt worden sind. Unter dem Motto „Sei ein Mensch“ dokumentiert der Ort die Lebensgeschichten von Frauen und Männern, die unter den Nationalsozialisten gelitten und später am Aufbau der Demokratie in Nordrhein-Westfalen mitgewirkt haben, wie die Landtagsverwaltung mitteilte. Darunter sind auch bundesweit bekannte Politiker wie der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU).
Der Gedenkort in der Wandelhalle verbindet Kunst, Erinnerung und digitale Wissensvermittlung. Ein zentraler Baustein ist die Stelen-Installation „Widerstände“ des Künstlers Tristan Ulysses Hutgens, die das Spannungsfeld zwischen Gehorsam und Widerstand thematisiert. Ein ergänzendes digitales Angebot präsentiert die Biografien von 81 ehemaligen Abgeordneten anhand von Fotos, Briefen und Haftbefehlen. Öffentlich zu sehen ist der Gedenkort erstmals bei der Parlamentsnacht am 9. Oktober im Landtag.
Landtagspräsident: Demokratie muss erkämpft werden
„Der Gedenkort 'Sei ein Mensch' ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit“, erklärte Landtagspräsident André Kuper (CDU): „Er erinnert uns daran, dass Demokratie erkämpft worden ist.“
Mit dem Gedenkort setze der Landtag ein Zeichen gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur, erklärte der Parlamentspräsident. „Wir alle spüren heute wieder eine Spaltung der Gesellschaft, die Gefahr der Radikalisierung, aber auch ein gefährliches Herunterspielen unserer Geschichte an vielen Stellen - sogar in Parlamenten. Und auch deshalb ist mir dieser Gedenkort so wichtig: Er ist auch Mahnung“, sagte Kuper.




