Berlin (epd). Mit einer prominenten Besetzung aus internationalen Organisationen und Ländern des Globalen Südens soll die von der Bundesregierung einberufene Nord-Süd-Kommission neue Visionen der Zusammenarbeit entwickeln. Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die ehemalige Präsidentin Costa Ricas, Laura Chinchilla, gaben am Montag in Berlin 20 Mitglieder des Gremiums für eine bessere weltweite Entwicklungszusammenarbeit bekannt.
Unter ihrer gemeinsamen Leitung vereine die Kommission nun 22 Frauen und Männer, die überwiegend aus dem Globalen Süden stammen, darunter Führungspersönlichkeiten internationaler Organisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus allen gesellschaftlichen Bereichen, sagte Scholz.
Zu den Mitgliedern zählen der Präsident der Weltbank, Ajay Banga, die ehemalige Ministerpräsidentin des Senegal, Aminata Touré, der frühere Chef von USAID und derzeitige Leiter der entwicklungspolitischen Organisation One, Mark Green, der kongolesische Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, die Chefin der Welthandelsorganisation WTO, Ngozi Okonjo-Iweala, sowie der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Hermann Gröhe. Auch Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften sind in dem Gremium vertreten.
Scholz: „Pragmatisch und zugleich visionär“
„Ihre Stimme zur Zukunft der internationalen Zusammenarbeit kann und wird nicht überhört werden“, erklärte Scholz. Ziel der Nord-Süd-Kommission sei es, „pragmatisch und zugleich visionär“ gemeinsam Vorschläge für eine gute Zukunft der Welt zu entwickeln. Dabei erwarte er „mutige und wegweisende Lösungen, die auch umgesetzt werden können“.
Kommissionsleiterin Chinchilla unterstrich Gerechtigkeitsfragen: „Wir brauchen Partnerschaft statt Konflikt zwischen Süd und Nord - gegründet auf gemeinsamen Werten, sozialer Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben“. Der Klimawandel, Rückschritte bei Geschlechtergerechtigkeit, die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz und eine zunehmende Zahl totalitärer Regierungen zeigten die Dringlichkeit für gemeinsam entwickelte Lösungen zum Wohle aller, sagte sie.
Alabali Radovan: „Kommission trifft einen Nerv“
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach von einer mutigen Idee, die sich mit der hochrangigen Besetzung nun mit Leben fülle. „Die Kommission trifft einen Nerv, die Zeichen der Zeit stehen auf starke Partnerschaften mit dem Globalen Süden“, erklärte die Ministerin.
Am 16. und 17. Oktober kommen die Kommissionsmitglieder erstmals in Bangkok zusammen. Dort will das Gremium Schwerpunkte und ihr Arbeitsprogramm festlegen. Ein erstes Zwischendokument ist für Mitte 2027 geplant. Bis Ende 2028 erarbeiten die Mitglieder Vorschläge für eine neue entwicklungspolitische Kooperation.
Die unabhängige Nord-Süd-Kommission, deren Einrichtung im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart worden war, wurde im Juni von der Bundesregierung eingesetzt. Sie steht in der Tradition der Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen, die der frühere Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt von 1977 bis 1983 leitete.




