Kirchen mahnen bei Einheitsfeier zu klarer Haltung gegen Spaltung

Kirchen mahnen bei Einheitsfeier zu klarer Haltung gegen Spaltung
Zum Tag der Deutschen Einheit haben Kirchenvertreter vor einer Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft gewarnt. Sie riefen zu mehr Solidarität mit Benachteiligten und zum Schutz der Menschenwürde auf.
03.10.2026
epd
Von Jörg Nielsen (epd)

Bremen (epd). Mit einem ökumenischen Festgottesdienst hat am Samstag in Bremen die offizielle Feier zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Die leitenden Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche in Bremen riefen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung auf. „Wahre Stärke gibt es, wo wir einander brauchen und uns gegenseitig etwas zutrauen“, sagte der Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, laut Predigtmanuskript im Bremer St.-Petri-Dom.

In anstrengenden Zeiten dürfe sich die Gesellschaft die Zuversicht nicht nehmen lassen, sagte Kuschnerus. Stattdessen müssten Menschen füreinander einstehen und Benachteiligte stützen. Nächstenliebe bedeute, Lasten gemeinsam zu tragen und die Fähigkeiten jedes Einzelnen anzuerkennen, sagte der Theologe mit Blick auf die Fabel der Bremer Stadtmusikanten: „Einer trage des Anderen Last, damit beginnt die Nächstenliebe.“

Warnung vor dem Recht des Stärkeren

Der Bischof des katholischen Bistums Osnabrück, Dominicus Meier, warnte vor einer Vereinsamung und Überforderung der Bürger in Zeiten des Umbruchs. „Dass Menschen wieder zur Stärke finden, darf nicht dem Zufall überlassen werden.“ Es dürfe keinesfalls die Haltung entstehen, dass jeder allein seines Glückes Schmied sei. Andernfalls entwickle sich das Zusammenleben zu einer Gesellschaft, in der nur noch das Recht des Stärkeren zähle.

Meier verwies auf die im Grundgesetz verankerte unantastbare Würde aller Menschen und die Botschaft des Evangeliums. Sie schützten die Gesellschaft „vor aller Ausgrenzung, Fremdenhass und Antisemitismus“. Einheit und Zusammenhalt trügen nur dort verlässlich, wo sich Menschen mit klarer Haltung gegen Spaltung und Polarisierung stellten.

An dem Gottesdienst unter dem Leitwort „Viele Gaben - ein Geist“ nehmen unter anderem die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane, der Bundesländer und der Parlamente teil, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Im Anschluss war im benachbarten Konzerthaus „Die Glocke“ ein Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie dem amtierenden Bundesratspräsidenten und Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vorgesehen.