Berlin (epd). Der Bundestagsvizepräsident und ehemalige thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat in einer Kanzelrede zum Tag der Deutschen Einheit zu mehr Verständnis und zum Teilen aufgerufen. Die Erde könne die Menschen doppelt ernähren, die Ressourcen seien nur sehr ungleich verteilt, sagte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript am Samstag bei einem Festgottesdienst im Berliner Dom. Die extreme Rechte schüre Verlustängste. Diese ließen sich nur bekämpfen, wenn gezeigt werde, dass genug für alle da ist und die Politik praktische Lösungen liefere.
Auch nach der Wiedervereinigung seien Gräben in Deutschland geblieben, sagte Ramelow, der Mitglied der evangelischen Kirche ist. Die Lebensverhältnisse in Ost und West seien bis heute nicht gleich: „Das Misstrauen sitzt tief und die Räume der Verständigung sind selten.“
Räume des Miteinanders schaffen
„Gemeinsam das Brot zu brechen, schafft Gemeinschaft“, sagte Ramelow in Anlehnung an eine Bibelstelle im Johannesevangelium, in der Brot für eine Menschenmenge vermehrt wird. Das sei nicht nur eine verteilungspolitische Angelegenheit: „Wo Menschen aufeinander zugehen, entstehen Räume des Miteinanders.“ Er rief dazu auf, miteinander im Dialog zu bleiben.
Ramelow warnte zudem vor Gewaltfantasien, die Akteure am rechten Rand predigten. „Die neue Härte umfasst auch eine Abwertung der Schwächsten in der Gesellschaft. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, mahnte er offenbar mit Blick auf die AfD. Manche Menschen könnten aber nicht arbeiten. Mit extrem rechten Vorstellungen sei keine Gemeinschaft möglich, „in der Solidarität, Liebe und Wärme wachsen“.




