Psychoonkologin: Akzeptanz des nahen Todes kann sehr entlastend sein

Psychoonkologin: Akzeptanz des nahen Todes kann sehr entlastend sein
Menschen, die die Diagnose einer lebensverkürzenden Krankheit erhalten, reagieren sehr unterschiedlich darauf. Wie sie trotzdem noch handlungsfähig bleiben können, erklärt die Würzburger Psychoonkologin Elisabeth Jentschke.
01.10.2026
epd
epd-Gespräch: Imke Plesch

Würzburg (epd). Wenn Menschen mit einer unheilbaren Krankheit akzeptieren, dass sie bald sterben müssen, kann das nach Ansicht der Würzburger Psychoonkologin Elisabeth Jentschke sehr entlastend sein. Es müsse dann nicht mehr die gesamte psychische Energie darauf verwendet werden, eine Realität abzuwehren, die sich nicht verändern lasse, sagte Jentschke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichzeitig dürften die Patienten immer noch darauf hoffen, dass ein Wunder geschehe. „Diese scheinbar widersprüchliche Wirklichkeit kann man gleichzeitig in sich tragen.“

Wenn Patienten sich aktiv mit dem bevorstehenden Tod auseinandersetzten und gleichzeitig versuchten, mit dem gegenwärtigen Leben verbunden zu bleiben, nenne man dies in der Fachsprache „double awareness“, erklärte die Leiterin des psychoonkologischen Dienstes am Universitätsklinikum Würzburg. Ein Patient könne sich etwa fragen: „Was ist mir jetzt noch wichtig? Wie möchte ich die verbleibende Zeit gestalten?“ Er erlebe dann eine Selbstwirksamkeit und eine Form der Kontrolle, die er etwa beim Krebsleiden selbst nicht habe. „Dadurch bleibt er auch Handelnder und wird nicht nur zum Sterbenden.“

Der eine möchte vorbereiten, der andere braucht Ablenkung

Man wisse allerdings aus Untersuchungen, dass fast die Hälfte der Menschen mit einer schweren Erkrankung emotional nicht erfasst habe, dass ihr Leben zu Ende gehe. Das mache auch die Beratung schwierig. „Der eine möchte alles wissen und vorbereiten. Ein anderer braucht mehr Hoffnung, vielleicht auch Ablenkung, manchmal sogar Vermeidung“, sagte Jentschke. Das könne sich phasenweise auch immer wieder abwechseln.

Es gehe darum herauszufinden, was einem Menschen in seiner aktuellen Situation helfe, damit er Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden erlebe für die Zeit, die bleibe: „Menschen dürfen sehr unterschiedlich sterben.“