Berlin (epd). Die Berliner Kältehilfe stellt ab Oktober 669 Notübernachtungsplätze für obdachlose Menschen zur Verfügung. Für die kältesten Monate des Jahres soll deren Zahl ab November auf mindestens 930 steigen, kündigte Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) am Mittwoch an. Mehr als 200 zusätzliche Plätze seien in der Planung, um das bestehende Angebot im Laufe der Saison zu ergänzen. Ziel seien 1.000 Notübernachtungsplätze in den Wintermonaten.
„Die Kältehilfe ist unverzichtbar, sie kann Leben retten und sie soll Menschen in den Wintermonaten beschützen“, sagte Kiziltepe. Der vergangene Winter habe gezeigt, dass das Hilfsprojekt nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure aus den Bezirksämtern, Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbänden und der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege funktioniere. Zugleich ersetze die Kältehilfe keinen Wohnraum für die Betroffenen, sagte die SPD-Politikerin.
Kältehilfe rettet Leben, aber löst Wohnungslosigkeit nicht
Auch Hilfsorganisationen riefen zum Start der Kältehilfesaison dazu auf, nicht nur im Winter Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit voranzubringen. Das Programm rette Leben, löse aber das Problem der Wohnungslosigkeit nicht, teilte der Vertreter der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin und Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Berlin, Oliver Bürgel, mit.
Berlin müsse den nächsten Schritt „weg von der Verwaltung von Wohnungslosigkeit, hin zu ihrer konsequenten Verhinderung“ gehen. Vor allem dürfe kein Kind durch eine Räumung wohnungslos werden. „Die Kältehilfe bleibt ein wichtiger Baustein, erfolgreich sind wir aber erst, wenn immer weniger Menschen sie brauchen“, erklärte Bürgel.
Wärmebus stellt sich auf mehr Einsätze ein
Auch die Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ursula Schoen, verwies auf die Grenzen des Systems der Kältehilfe. An mehreren Stellen der Stadt fielen auch Aufnahmekapazitäten für Obdachlose weg. So fehle es insbesondere an Plätzen für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen seien. „Dafür gibt es nur eine Lösung: ganzjährige, menschenwürdige Unterkünfte, die echte Perspektiven eröffnen“, sagte Schoen. Sie appellierte an die neue Landesregierung, Hilfsangebote dauerhaft zu stärken.
Anlässlich der beginnenden Kältehilfesaison teilte zudem der Berliner Landesverband Deutsches Rotes Kreuz mit, dass er sich auf mehr Einsätze des Wärmebusses einstelle. Dieser sei ab November täglich von 18 bis 24 Uhr im Stadtgebiet unterwegs, um obdachlose Menschen mit heißen Getränken, warmer Kleidung sowie Isomatten zu unterstützen und sie auf Wunsch in Notunterkünfte zu bringen. In der vergangenen Saison seien 1.872 Hinweise aus der Bevölkerung auf hilfsbedürftige Menschen eingegangen und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Berliner Stadtmission betreibt mit dem Kältebus ein ähnliches Angebot.
Zehntausende Menschen in Berlin wohnungslos
Laut Angaben der Senatsarbeitsverwaltung lebten in Berlin zum 31. Januar dieses Jahres 57.575 wohnungslose Menschen, die in Wohnheimen, Notübernachtungen oder anderen Einrichtungen untergebracht waren. Schätzungen aus dem Jahr 2024 gehen von mehr als 6.000 obdachlosen Menschen aus.




