Studie: Junge Muslime handeln islamische Normen für sich selbst aus

Studie: Junge Muslime handeln islamische Normen für sich selbst aus
Soll man Kopftuch tragen, und wie sieht es mit Alkoholtrinken aus oder dem Fasten während der Arbeit? Junge Muslime müssen solche Fragen für sich klären. Sie fänden ihren individuellen Umgang damit, zeigt eine Studie.

Stuttgart (epd). Junge Musliminnen und Muslime nutzen laut der Islamwissenschaftlerin Simone Trägner flexible Strategien, um ihren Glauben mit dem Alltag zu vereinen. Ihre Studie zeige, dass die jungen Menschen eigenständig prüfen, wie und ob islamische Normen in ihren Alltag passen, sagte sie am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart-Hohenheim. Für ihre Doktorarbeit hatte Trägner in Deutschland sozialisierte Muslime zwischen 20 und 30 Jahren in qualitativen Interviews befragt.

Bei der Entscheidung, wie mit islamischen Normen umgegangen wird, würden islamische Gelehrte noch als wichtige Quelle herangezogen. Aber auch die Familie, Freunde und soziale Medien hätten Einfluss. Am Schluss entscheide jedoch meist die eigene „innere Autorität“, ob die Norm mit dem eigenen Gewissen zusammenpasse, verständlich und handhabbar sei, erläuterte Trägner. Der Spielraum, wie man eine Norm verstehen könne, sei wesentlich größer geworden. Und den würden die jungen Erwachsenen auch für sich in Anspruch nehmen, zeige ihre Studie.

Erwartungsdruck zur Positionierung

Trägner beobachtete, dass viele der Befragten sich von der Gesellschaft sehr dazu gedrängt fühlten, sich zu bestimmten Normen zu positionieren. Aber auch in den muslimischen Communitys fühlten manche den Erwartungsdruck, normativen Vorgaben folgen zu müssen. Auch wenn die Studie qualitativ und nicht repräsentativ sei, zeige sie: „Muslime sind keine homogene Masse.“ Sie hätten unterschiedliche Haltungen zu islamischen Normen.