Institut: Weiterbildung Arbeitsloser könnte Fachkräftemangel lindern

Institut: Weiterbildung Arbeitsloser könnte Fachkräftemangel lindern
In Deutschland fehlen Tausende Fachkräfte. Durch die Qualifizierung von arbeitslosen Hilfskräften könnte die Fachkräftelücke laut einer Studie des IW Köln deutlich verringert werden. Potenzial sehen die Experten besonders im Pflegebereich.
30.09.2026
epd
Von Nora Frerichmann (epd)

Düsseldorf (epd). Die Fachkräftelücke in Deutschland könnte nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) deutlich reduziert werden. Durch die Qualifizierung und Weiterbildung von Arbeitslosen innerhalb eines Berufsbereichs lasse sich die Lücke um insgesamt 16,9 Prozent verringern, ergibt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen IW Köln, die dem Evangelischer Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ (Mittwoch) darüber berichtet.

So könnten Engpässe für Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung rechnerisch um bis zu 38.204 auf dann 187.540 nicht besetzbare offene Stellen gesenkt werden, hieß es. Das entspreche rund jeder sechsten unbesetzten Stelle. 2025 haben der Studie zufolge insgesamt rund 1,3 Millionen arbeitslose Hilfskräfte keine passende Stelle in ihrem gewünschten Zielberuf gefunden. Zugleich fehlten mehr als 225.000 ausgebildete Fachkräfte.

Großes Potenzial im Pflegebereich

Die Qualifizierung von arbeitslosen Helferinnen und Helfern könnte laut Studie besonders in der Pflege große Effekte haben. So könne der Engpass von 15.233 Fachkräften in der Altenpflege rechnerisch vollständig gedeckt werden. Denn hier gebe es einen Arbeitslosenüberhang von 25.113 Helferinnen und Helfern. Im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege könnte bei vollständiger Höherqualifizierung aller 4.549 arbeitslosen Helfer rechnerisch gut ein Drittel (34 Prozent) der unbesetzten Stellen für Fachkräfte besetzt werden, hieß es.

Die Qualifizierung von An- und Ungelernten könne ein Ansatz sein, um Beschäftigte langfristig zu binden und neue Fachkräftepotenziale zu erschließen, betonten die Studienautoren. Qualifizierung sollte nicht erst „bei akutem Mangel“, sondern entlang absehbarer Bedarfe eingesetzt werden. Unternehmen sollten prüfen, ob arbeitslose Menschen ohne Berufsabschluss ein Potenzial zur Fachkräftesicherung darstellen könnten. Die Bundesagentur für Arbeit könne bei der Suche nach Interessierten unterstützen.

Die Studie basiert den Angaben zufolge auf Daten zu gemeldeten Stellen und Arbeitslosen der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung.