Prien fordert Rücknahme des Heidenauer Stolperstein-Verbots

Prien fordert Rücknahme des Heidenauer Stolperstein-Verbots
Die Bundesbildungsministerin nennt es einen "Skandal", dass im sächsischen Heidenau keine Stolpersteine mehr an NS-Opfer erinnern sollen.

Leipzig (epd). Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) fordert vom Stadtrat im sächsischen Heidenau die Rücknahme des Stolperstein-Verbots. Der Beschluss, keine Stolpersteine im öffentlichen Raum zur Erinnerung an NS-Opfer mehr zu verlegen, sei „ein Skandal“. Prien sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag bei einem Besuch in Leipzig: „Ich hoffe, dass sich der Stadtrat besinnt und der Beschluss revidiert wird.“

Das Gedenken an NS-Opfer soll laut dem Stadtratsbeschluss künftig lediglich auf dem städtischen Friedhof erfolgen. „Ich fürchte, das ist national und international ein fatales Signal“, sagte Prien zu der Entscheidung gegen die Bodenmahnmale, die seit den 90er Jahren europaweit an Opfer des NS-Regimes erinnern.

Prien für NS-Erinnerung mitten in den Städten

Die Erinnerung an dem Holocaust und an Schicksale jüdischer Menschen gehöre „mitten in die Städte und dorthin, wo sie sichtbar sind und nicht an den Rand oder gar auf einen Friedhof“, betonte die CDU-Politikerin. Die Stolpersteine geben ihr zufolge Menschen ein Stück Würde zurück, machten mit der Gravur der Namen Persönlichkeiten sichtbar.

Auch Sachsens Ministerin für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping (SPD), kritisierte die Stadtratsentscheidung scharf. Das erwecke den Eindruck, dass „die Vergangenheit an die Seite geschoben wurde, an den Rand der Gesellschaft“. Dieses Zeichen sei „fatal“, sagte Köpping dem epd. Vielmehr müsse das Gedenken an den Holocaust mitten in der Gesellschaft und den Städten sein.

Prien hatte am Dienstag in Leipzig an einer Podiumsdiskussion zu jüdischem Leben in Sachsen und Deutschland teilgenommen. Sie fand im Rahmen der Jahreskonferenz des Demokratiezentrums Sachsen statt, an der rund 200 Fachleute teilnahmen. Im Anschluss an die Diskussion besuchten Prien und Köpping mehrere Stolpersteine in Leipzig.