Ostdeutsche sehen Bürgerbewegung als wichtigsten Faktor der Einheit

Ostdeutsche sehen Bürgerbewegung als wichtigsten Faktor der Einheit
Mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung unterscheiden sich die Einschätzungen in Ost und West deutlich: Eine bundesweite Umfrage zeigt, welchen Akteuren die Deutschen den größten Anteil am Zustandekommen der Einheit zuschreiben.

Weimar (epd). Der wichtigste Faktor für das Zustandekommen der Wiedervereinigung ist für viele Deutsche die mutige Zivilbevölkerung und die Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Knapp ein Drittel der Menschen in Deutschland stimmten dieser Aussage zu, berichten die am Sonntag erscheinenden mitteldeutschen Kirchenzeitungen „Glaube + Heimat“ und „Der Sonntag“ auf Grundlage einer bundesweiten Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts Insa Consulere.

Allerdings gehen bei der Frage nach den Faktoren, die am Zustandekommen der deutschen Einheit eine wichtige Rolle gespielt haben, die Meinungen in Ost und West auseinander. Mit einem Anteil von 45 Prozent betrachtet fast die Hälfte der Ostdeutschen laut Umfrage die Bürgerrechtsbewegung als den entscheidenden Faktor. Im Westen seien es nur 28 Prozent.

Leistungen der Kirche fast vergessen

Fast ein Viertel (24 Prozent) der Befragten sieht laut Umfrage die Ursache vor allem im politischen und wirtschaftlichen Zerfall der Sowjetunion, während 15 Prozent das geschickte Verhandeln der westlichen Politik als bestimmenden Faktor nannten. Den geringsten Anteil schreiben die Befragten der Arbeit der evangelischen Kirche zu. Im Westen sähen fünf Prozent, im Osten vier Prozent darin einen entscheidenden Beitrag zur deutschen Einheit. Die Zahlen zeigten, dass der Beitrag der Friedensgebete zur Wiedervereinigung im Gedächtnis der Deutschen fast ausgelöscht sei.

Befragt wurden 2.006 Menschen aus ganz Deutschland. Anlass der Umfrage ist den Angaben zufolge der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.