Frauen ziehen sich wegen sexueller Gewalt aus dem Netz zurück

Frauen ziehen sich wegen sexueller Gewalt aus dem Netz zurück
Gefakte Nacktbilder, Sexdarstellungen und Vergewaltigungsdrohungen im Netz haben Folgen: Viele Frauen meiden einer Umfrage zufolge deswegen digitale Räume. Besonders junge Frauen treten den Rückzug an.

Berlin (epd). Sexualisierte Darstellungen, Drohungen und Belästigungen führen einer Umfrage zufolge zu einem Rückzug von Frauen aus digitalen Räumen. Wie aus am Montag vorgestellten Ergebnissen einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Frauenrats hervorgeht, schränken zwei Drittel (67 Prozent) aller Frauen inzwischen ihre Aktivitäten im Netz ein, teilen etwa weniger Fotos und Informationen. Bei den 18- bis 39-Jährigen ziehen sich sogar drei Viertel (76 Prozent) zurück.

Befragt wurden den Angaben zufolge knapp 1.400 repräsentativ ausgewählte Frauen im April und Mai durch das Bilendi Institut. Die Befragung zeigt auch, dass gefälschte, mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Nacktbilder oder Sex-Darstellungen schon Alltag für viele Frauen sind: 13 Prozent aller Befragten haben damit Erfahrungen gemacht, bei den 18- bis 39-jährigen Frauen ist es sogar jede fünfte (21 Prozent).

Frauenrat: Weniger Teilhabe im Netz ist „Demokratieproblem“

Der Jenaer Soziologe Matthias Quent sprach von einer Einschüchterung von Frauen im Netz, die Konsequenzen habe. Während sie weniger sichtbar würden, würden Inhalte auf sozialen Netzwerke immer mehr von Männern geprägt. Diese sogenannte Manosphere lasse ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit entstehen. Frauenrat-Geschäftsführerin Judith Rahner bezeichnete den Rückzug von Frauen als „Demokratieproblem“.

Die Schauspielerin Collien Fernandes, die ihre Erfahrungen mit digitaler sexualisierter Gewalt im Frühjahr öffentlich gemacht und damit eine Debatte ausgelöst hatte, sprach sich dafür aus, bei dem Thema mehr Druck auf die Politik zu machen, damit gesetzgeberische Konsequenzen gezogen werden. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte im Mai Pläne vorgestellt, nach denen etwa schon das Erstellen ungewollter sexualisierter Darstellungen unter Strafe gestellt wird. Sie müssen noch von der gesamten Bundesregierung gebilligt und dann im Bundestag beraten werden.