Missbrauch: Forscher untersuchen Aufarbeitung bei Redemptoristen

Missbrauch: Forscher untersuchen Aufarbeitung bei Redemptoristen
Erstmals ist der Aufarbeitungsprozess einer kirchlichen Einrichtung selbst Gegenstand einer Untersuchung. Betroffene sexualisierter Gewalt und die Ordensleitung der Redemptoristen hatten die Studie gemeinsam beschlossen.

Bonn (epd). Erstmals haben Wissenschaftler in einer Studie den Aufarbeitungsprozess von Missbrauchsfällen in einer kirchlichen Institution systematisch analysiert. Die 276-seitige Untersuchung sei ein „Meilenstein“ auf dem Wege der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Redemptoristenorden, erklärte der Provinzial der Ordensgemeinschaft, Jan Hafmans, bei der Vorstellung am Freitag in Bonn. Studien-Autor und Sozialpsychologe, Heiner Keupp, nannte die Untersuchung ein „Pionierprojekt“ zur Bewertung eines Aufarbeitungsprozesses.

Zwischen 2010 und 2024 hatte der Orden sechs Zwischenberichte in Auftrag gegeben, um die sexualisierte Gewalt vor allem in den Schulen des Ordens zu untersuchen. Zum Orden gehört etwa das Gymnasium „Collegium Josephinum“ in Bonn. Derzeit geht man von mindestens 90 Betroffenen, darunter mehrheitlich Schüler, und mindestens 29 Tätern zwischen 1950 und 2011 aus.

Für die nun veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler des Münchener Instituts für Praxisforschung und Projektberatung von April 2024 bis Mai 2026 Interviews mit Betroffenen, Ordensmitgliedern sowie Mitarbeitenden in Einrichtungen der Redemptoristen und externen Beteiligten am Aufarbeitungsprozess geführt.

Studie bescheinigt dem Orden umfangreiche Bemühungen zur Aufklärung

Die 2010 gestarteten Aufarbeitungsaktivitäten des Ordens hätten sich signifikant von dem „ansonsten häufig zögerlichen, abwehrenden und strategischen Agieren“ katholischer Institutionen unterschieden, erläuterten die Wissenschaftler. Der Orden habe damals „umfangreiche Bemühungen zur Aufklärung der gewaltvollen Vergangenheit und zur Unterstützung Betroffener“ begonnen. Unter anderem seien weitere Betroffene gesucht worden, deren Vernetzung unterstützt und Gespräche mit der Provinzleitung und ihrem Missbrauchsbeauftragten geführt worden.

Die Redemptoristen verstehen sich als missionarische Klerikergemeinschaft. Weltweit gibt es ungefähr 5.000 Redemptoristen, in Flandern, den Niederlanden, im nördlichen Teil Deutschlands und in der Schweiz bilden die Redemptoristen eine Verwaltungseinheit: Dort leben den Angaben des Ordens zufolge etwa 110 Redemptoristen.