Berlin, Frankfurt a. M. (epd). Der Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, sieht in Teilen der Antisemitismusvorwürfe gegen die Berliner Linke Versuche zur politischen Instrumentalisierung. „Wenn erklärt wird, die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp darf nicht Regierende Bürgermeisterin werden, weil dann alle Jüdinnen und Juden in der Stadt Angst haben, geht das zu weit“, sagte Mendel am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei „keine Kritik bestimmter Ereignisse mehr, sondern eine Diffamierung einer gesamten Partei“.
Dennoch gebe es auch zahlreiche Beispiele von tatsächlichem Antisemitismus, erklärte Mendel. Dazu zählte er den Aufruf zum Tod von Soldaten der israelischen Streitkräfte auf einer Wahlveranstaltung, die Rufe in sozialen Medien zum Auslöschen des Staates Israel sowie die Erklärung einer linken Kommunalpolitikerin, dass die Befreiung Palästinas in Tel Aviv endet. Mendel warnte zudem davor, antisemitische Tendenzen in den Reihen der Linken zu bagatellisieren, indem auf Antisemitismus in anderen Parteien verwiesen werde.
Antisemitismus Teil der DNA der radikalen Linken
Der Historiker und Professor für Soziale Arbeit hat die ersten 25 Jahre seines Lebens in Israel verbracht und wuchs in einem Kibbuz in der Wüste auf. Für ihn gehört Antisemitismus „zu der DNA der deutschen radikalen Linken“. Er stehe in der Tradition etwa von Terroraktionen der RAF, dem versuchten Anschlag auf die Synagoge in Berlin im Jahr 1969 oder die Entführung der Air-France-Maschine nach Entebbe 1974.
Die Abgrenzung von Israelkritik und Antisemitismus nannte Mendel die „meistgestellte Frage seit Jahren“. Auch unter Fachleuten werde sie „kontrovers diskutiert“. Für ihn verlaufe die Grenze dort, wo die Forderung für einen unabhängigen palästinensischen Staat mit der Tilgung Israels von der Landkarte verbunden werde. Außerdem würden rote Linien überschritten, wenn Juden hier für das Handeln des Staates Israel verantwortlich gemacht werden.
Differenzierung bei Stolperstein-Debatte
Die Debatte um Stolpersteine in der sächsischen Stadt Heidenau in der Nähe von Dresden sah Mendel differenziert. „Ich würde nicht sagen, dass jeder, der Stolpersteine für keine gute Idee hält, per se ein Antisemit ist.“ Mendel verwies darauf, dass sich auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, gegen deren Verlegung ausspricht. „Aber ich vermute, dass die Motivation der AfD eine andere ist. Von daher würde ich das sehr kritisch bewerten.“ Der Stadtrat hatte den Stopp der Verlegungen am Donnerstag unter anderem mit Stimmen von AfD und CDU entschieden.




