Berlin (epd). Die im NS-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geborene Holocaust-Überlebende Angela Orosz-Richt wird im kommenden Jahr in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus sprechen. Wie der Bundestag am Donnerstag mitteilte, hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die in Kanada lebende 81-Jährige eingeladen, auch weil es ihr wichtig sei, beim Gedenken auf Frauenschicksale zu achten. Die Gedenkstunde findet am 27. Januar 2027 statt.
Angela Orosz-Richt wurde den Angaben zufolge kurz vor Weihnachten 1944 in Auschwitz-Birkenau geboren. Ihre Mutter wurde demnach bereits schwanger im Mai 1944 als ungarische Jüdin in das Vernichtungslager deportiert. Mutter und Kind seien für medizinische Experimente missbraucht worden. Angela Orosz-Richt wog bei der Geburt den Angaben nach nur etwa ein Kilogramm.
Zeugin in Prozessen gegen SS-Männer
Die Zeitzeugin stehe auch für die „späte Suche nach Gerechtigkeit“, erklärte Klöckner. Orosz-Richt sagte in den beiden rund zehn Jahre zurückliegenden Prozessen gegen die SS-Männer Oskar Gröning und Reinhold Hanning aus. Beide wurden wegen ihrer Beteiligung an den Verbrechen der Nazis noch im hohen Alter verurteilt.
Der Bundestag teilte zudem mit, dass an der Gedenkstunde im kommenden Jahr mehr Gäste als üblich teilnehmen können. Weil der Plenarsaal zu dem Zeitpunkt bereits für die für den 30. Januar geplante Bundesversammlung erweitert sein werde, könnten 1.500 Menschen einen Platz finden - deutlich mehr als im Regelbetrieb mit 630 Abgeordneten. Die zusätzlichen Plätze plant Klöckner den Angaben zufolge vor allem an Schülerinnen und Schüler sowie Jugendgruppen zu vergeben. Bei der Bundesversammlung wird im kommenden Jahr ein neues Staatsoberhaupt gewählt, weil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Amt scheidet.




