Frankfurt a.M., Kathmandu (epd). Mädchen sind in Nepal nach der Sturzflut laut „Save the Children“ noch gefährdeter als ohnehin. Auch davor sei das Risiko für Gewalt, Menschenhandel, Ausbeutung und Frühverheiratung für Mädchen in dem Land hoch gewesen, erklärte die Kinderrechtsorganisation am Donnerstag. Die Überlebenden der Katastrophe von August müssten mit Fremden und auf engem Raum in abgelegenen und unzureichend beleuchtenden Notunterkünften leben.
Eine Sturzflut aus Wasser, Schlamm, Eis und Geröll riss am 26. August im Grenzgebiet Nepals zu China ganze Ortschaften mit sich. Der Tod von mehr als 1.400 Menschen wurde bestätigt, über 5.700 Menschen werden noch vermisst.
Weniger Schutz ohne Schule
Laut Unicef können derzeit über 14.000 Kinder wegen der Katastrophe nicht zur Schule gehen. Besonders für Mädchen ist das nach Angaben von „Save the Children“ verheerend. „Mädchen sind oft die Ersten, die den Zugang zu Bildung verlieren, und die Letzten, die ihn wiedererlangen“, erklärte Länderdirektorin Tara Chettry. „Und jeder Tag ohne Schule bedeutet weniger Schutz.“
Eine Volkszählung 2021 ergab „Save the Children“ zufolge, dass mehr als ein Drittel der Mädchen in Nepal bei ihrer Hochzeit minderjährig waren. Minderjährig verheiratete Mädchen brechen laut der Organisation die Schule mit höherer Wahrscheinlichkeit ab, werden früh schwanger und erleiden oft geschlechtsspezifische Gewalt. Hinzu komme die Gefahr von Menschenhandel: Zwischen 2024 und 2025 hätten die Behörden mehr als 11.500 vermisste Frauen und Mädchen registriert, bei einer Bevölkerung von knapp 30 Millionen Einwohnern. Fast jede Vierte Verschwundene bleibt demnach unauffindbar, rund ein Drittel von ihnen ist minderjährig.




