Prozess gegen Ex-Beschäftigte von diakonischer Stiftung gestartet

Prozess gegen Ex-Beschäftigte von diakonischer Stiftung gestartet
Vor dem Landgericht Bielefeld wird wegen Freiheitsverletzung gegen vier ehemalige Mitarbeiter des Wittekindshofs verhandelt. Unter anderem sollen sie Menschen mit Behinderung eingesperrt und fixiert haben.

Bielefeld (epd). Am Landgericht Bielefeld hat am Donnerstag der Prozess gegen drei frühere Leitungskräfte und einen Arzt der Diakonischen Stiftung Wittekindshof begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Beschuldigten für den Zeitraum von 2014 bis 2019 Freiheitsentziehung, Körperverletzung und Beihilfe vor (AZ: 1 KLs 20/22). Vorgesehen sind bislang fast 20 Verhandlungstage bis Mai 2027.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen Menschen mit Behinderung in einem sogenannten Time-Out-Raum oder im eigenen Zimmer eingesperrt worden sein. Einigen der Angeklagten wird vorgeworfen, die freiheitsentziehenden Maßnahmen angewiesen zu haben. Das sei unter anderem der Fall gewesen, wenn die Bewohner ein eigen- oder fremdgefährdendes Verhalten gezeigt hätten. Zudem soll es verschiedene Fixierungsmaßnahmen gegeben haben.

Bereich aufgelöst, Reformen eingeleitet

Zu den Vorfällen soll es nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem heilpädagogischen Intensivbereich des Wittekindshofs gekommen sein, der 2019 nach Bekanntwerden der Vorwürfe aufgelöst wurde. In dem Bereich waren Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlichen schweren psychischen Störungen oder massiv herausforderndem Verhalten untergebracht. Die diakonische Stiftung hatte danach Reformen eingeleitet. Die vier Angeklagten arbeiten nicht mehr für die Stiftung, die Stiftung selbst ist nicht Beteiligte des Verfahrens.

Die 1887 gegründete Diakonische Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen ist eines der großen diakonischen Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. Sie ist an 19 Standorten in Ostwestfalen, dem Münsterland und dem Ruhrgebiet vertreten.