Bielefeld, Bad Oeynhausen (epd). Im Fall der diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen beginnt am kommenden Donnerstag am Landgericht Bielefeld der Prozess gegen drei frühere Leitungskräfte und einen Arzt. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Beschuldigten für den Zeitraum von 2014 bis 2019 Freiheitsentziehung, Körperverletzung und Beihilfe vor (AZ: 1 KLs 446 Js 338/19 - 20/22). Vorgesehen sind bislang fast 20 Verhandlungstage vom 24. September bis zum 13. Mai 2027.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen Menschen mit Behinderung in einem sogenannten „Time-Out-Raum“ oder im eigenen Zimmer eingesperrt worden sein. Einigen der Angeklagten wird vorgeworfen, die freiheitsentziehenden Maßnahmen angewiesen zu haben. Das sei unter anderem der Fall gewesen, wenn die Bewohner ein eigen- oder fremdgefährdendes Verhalten gezeigt hätten. Zudem soll es verschiedene Fixierungsmaßnahmen gegeben haben.
Wittekindshof: Bedrückend und beschämend
Zu den Vorfällen soll es nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem heilpädagogischen Intensivbereich des Wittekindshofs gekommen sein, der 2019 nach Bekanntwerden der Vorwürfe aufgelöst wurde. In dem Bereich waren Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlichen schweren psychischen Störungen oder massiv herausforderndem Verhalten untergebracht. Die diakonische Stiftung hatte danach Reformen eingeleitet. Die vier Angeklagten arbeiten nicht mehr für die Stiftung, die Stiftung selbst ist nicht Beteiligte des Verfahrens.
„Es bedrückt und beschämt uns, was geschehen ist“, sagte Marian Zachow, seit 2025 theologischer Vorstand der diakonischen Stiftung, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Selbstverständlich tragen wir als Institution Verantwortung, dass es sich nicht wiederholt.“ Zachow unterstrich zugleich, dass sich das Verfahren gegen vier frühere Mitarbeitende richtet. Für den Wittekindshof arbeiteten rund 3.900 Mitarbeitende, die täglich hervorragende Arbeit für die Klienten leisten.
Die 1887 gegründete Diakonische Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen ist eines der großen diakonischen Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. Sie ist an 19 Standorten in Ostwestfalen, dem Münsterland und dem Ruhrgebiet vertreten.



