Berlin (epd). Jürgen Gohde, Mitglied im Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), lehnt die geplanten Änderungen bei der Einstufung in Pflegegrade ab. Die Begründung für eine solche Reform, der Zugang zu den Pflegeleistungen sei zu großzügig gestaltet, „irritiert mich in hohem Maße“, sagte der Theologe und ehemalige Präsident der Diakonie dem „Tagesspiegel“ (Freitag). Betroffene würden nie auf die Idee kommen, sie erhielten zu viel Geld oder Sachleistungen von der Pflegekasse.
Weiter bemängelte Gohde, dass die derzeitige Diskussion über Veränderungen in der Pflegeversicherung „auf die Finanzierung fokussiert ist, dabei ist die Angst vor Kontrollverlust berechtigt“. Es gebe aber in der Pflege eine Strukturkrise, eine Zielkrise und eine Personalkrise. Deshalb müsse die Frage nach der Resilienz der Pflegekasse in den kommenden Jahren in einem größeren Zusammenhang gelöst werden.
Keine hohen Einsparungen wahrscheinlich
Die Erhöhung der Schwellenwerte für den Zugang zu einem Pflegegrad ist aus der Sicht des Ex-Präsidenten bedenklich. „Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat gerade herausgefunden, dass der Einspareffekt viel geringer sein dürfte als vom Gesundheitsministerium angegeben. “Der Schaden für die Betroffenen wäre weit höher als der Nutzen für die Pflegefinanzen", warnte Gohde, der bis 2011 Vorsitzender des Beirats zur Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs war. Dessen Vorschläge flossen im Jahr 2017 in eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung ein.
Höhere Schwellenwerte würden dem Theologen zufolge dazu führen, dass Demenzkranke viel schwerer in das System hineinkämen, also in den Pflegegrad 1 oder 2. Gohde: „Das heißt, die Änderung des Begutachtungsverfahrens ginge zulasten dieser Menschen mit ihren Angehörigen. Die Probleme, sie in der eigenen häuslichen Umgebung zu versorgen, würden größer.“




