Gestorbener Bürgerrechtler Gutzeit von Kirche und Politik gewürdigt

Gestorbener Bürgerrechtler Gutzeit von Kirche und Politik gewürdigt
Der evangelische Theologe Martin Gutzeit war aus Sicht des Bundespräsidenten ein Wegbereiter für Freiheit und Demokratie im vereinten Deutschland. Berlins Regierender Bürgermeister Wegner würdigt ihn als Verfechter der Aufklärung.
17.09.2026
epd
Von Joris Ufer und Lukas Philippi (epd)

Berlin (epd). Der gestorbene evangelische Theologe und DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit ist von Vertretern der Politik, Zivilgesellschaft und Kirche gewürdigt worden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von ihm als entschiedenen „Verfechter von Aufklärung und Erinnerung“. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) erklärte, Gutzeit habe „sein Leben ganz in den Dienst von Freiheit, Demokratie und der Aufarbeitung deutscher Geschichte gestellt“. Der Mitgründer der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in der DDR und spätere Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen war am Dienstag mit 74 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben.

In einer am Mittwochabend veröffentlichten Kondolenz würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Gutzeit als „leidenschaftlichen Streiter für Freiheit und Demokratie“. Der Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei, den Gutzeit im April 1989 gemeinsam mit Markus Meckel veröffentlicht habe, habe das Machtmonopol der SED offen infrage gestellt und sei ein Akt der friedlichen Revolution gewesen, schrieb Steinmeier. Als mutiger Pfarrer in der DDR habe Gutzeit „Freiräume inmitten der Unfreiheit“ geschaffen und sei zu einem führenden Kopf der Opposition geworden.

Beispielhafter Mut

Berlins Regierungschef Wegner erklärte, Gutzeits Lebensweg stehe beispielhaft für den Mut der Menschen, die sich der autoritären DDR-Herrschaft widersetzten. „Mit seiner Arbeit hat er dazu beigetragen, die Erfahrungen und Folgen dieser Zeit sichtbar zu machen und für kommende Generationen zu bewahren“, erklärte der CDU-Politiker. Die Hauptstadt werde ihn als engagierten Demokraten und prägende Persönlichkeit der Friedlichen Revolution in Erinnerung behalten.

Er habe mit großer Trauer vom Tod Gutzeits erfahren, hieß es von Kulturstaatsminister Weimer. „Der Mut, mit dem er sich den politischen Verhältnissen in der DDR widersetzte, verdient höchste Anerkennung“, betonte er.

„Scharfsinniger Mahner“

Der 1952 in Cottbus geborene Gutzeit arbeitete in den 1980er Jahren in Ost-Berlin als Vikar in Pankow und später als Pfarrer bei Neustrelitz. 1989 gehörte er zu den Initiatoren der SDP in der DDR, die am 7. Oktober des Jahres in einem Pfarrhaus in Schwante nördlich von Berlin gegründet wurde. Von 1993 bis 2017 war er Beauftragter des Landes Berlin für die Stasi-Unterlagen.

Der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein erklärte, Gutzeits furchtloses Eintreten für Gerechtigkeit, Freiheit und die Aufarbeitung des SED-Unrechts habe tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Gutzeit sei ein scharfsinniger Mahner gewesen und „ein glaubwürdiger Zeuge der Freiheit, die dem christlichen Glauben innewohnt“, schrieb der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz auf Facebook.

Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Frank Ebert erklärte, mit Gutzeit verliere Berlin einen herausragenden Akteur der Friedlichen Revolution und der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Gutzeit habe die Aufarbeitung der SED-Diktatur stets als fortwährende demokratische Aufgabe verstanden.