Berlin (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den gestorbenen evangelischen Theologen und DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit als „leidenschaftlichen Streiter für Freiheit und Demokratie“ gewürdigt. Er sei „ein Wegbereiter unseres in Freiheit und Demokratie vereinten Landes“ gewesen, schrieb Steinmeier in einer am Mittwochabend veröffentlichten Kondolenz. Der Mitgründer der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in der DDR und spätere Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen war am Dienstag mit 74 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben.
Der Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei, den Gutzeit im April 1989 gemeinsam mit Markus Meckel veröffentlicht habe, habe das Machtmonopol der SED offen infrage gestellt und sei ein Akt der friedlichen Revolution gewesen, schrieb Steinmeier. Als mutiger Pfarrer in der DDR habe Gutzeit „Freiräume inmitten der Unfreiheit“ geschaffen und sei zu einem führenden Kopf der Opposition geworden. „Sein christlicher Glaube gab ihm die Kraft, auch in der Diktatur nie die Hoffnung zu verlieren und für ein freies Land mit freien Menschen zu kämpfen“, heißt es im Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten.
Einsatz für Opfer der SED-Diktatur
Am Runden Tisch und als Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer habe Gutzeit mitgeholfen, die freiheitliche Demokratie in Ostdeutschland aufzubauen und die Weichen für die deutsche Einheit zu stellen. Später habe er sich als Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unermüdlich für die Opfer des Unrechts und gegen die Verharmlosung der Diktatur eingesetzt.
Der 1952 in Cottbus geborene Gutzeit arbeitete in den 80er Jahren in Ost-Berlin als Vikar in Pankow und später als Pfarrer bei Neustrelitz. 1989 gehörte er zu den Initiatoren der SDP in der DDR, die am 7. Oktober des Jahres in einem Pfarrhaus in Schwante nördlich von Berlin gegründet wurde. Von 1993 bis 2017 war er Beauftragter des Landes Berlin für die Stasi-Unterlagen.




