Magdeburg, Dessau-Roßlau (epd). Führende Vertreter der evangelischen Kirche in Sachsen-Anhalt haben angesichts von Spannungen und Sorgen nach der Landtagswahl zu Mut und Verständigung aufgerufen. Notwendig seien offene Gespräche mit Respekt, erklärten Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer von der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer in Hirtenbriefen am Freitag.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag hatte die AfD 43,8 Prozent der Stimmen erhalten. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei wurde mit Abstand stärkste Kraft. Die evangelische Kirche lehnt das Programm der AfD ab.
„Aus tiefster Überzeugung möchten wir als Kirche Menschen zusammenführen, die unterschiedliche Sichtweisen haben und sich gegenseitig zugestehen, dass sie irren können“, heißt es in dem Papier der anhaltischen Kirche. Zudem sollten die Gemeinden in Anhalt ermutigt werden, „Kirchen und Gemeindehäuser bewusst als geschützte Räume, als Orte des gemeinsamen Hörens und der Verständigung, zu öffnen“.
Spannungen offen ansprechen
Der mitteldeutsche Bischof Kramer und seine Regionalbischöfe Johann Schneider und Bettina Schlauraff erklärten: „Wir bestärken Sie darin, Spannungen offen anzusprechen und Wege der Verständigung zu suchen.“ Dabei gehe es nicht darum, „vorschnelle Antworten zu geben, sondern einander aufmerksam und respektvoll zu begegnen“. Es komme nun darauf an, beieinanderzubleiben und dazu beizutragen, „dass alle hier menschenwürdig leben können“.
„In der Nachfolge Jesu müssen wir Stimme sein für diejenigen, die wenig gehört und an den Rand gedrängt werden“, heißt es weiter im Hirtenbrief der mitteldeutschen Bischöfe: „Wir müssen erkennbar einstehen für alle, die jetzt bedroht sind und Angst haben.“ Vor der Wahl hätten sich viele Menschen für ein freies, weltoffenes Miteinander und für liberale Demokratie eingesetzt. Viele hätten immer wieder den Dialog gesucht und dabei Solidarität und Ermutigung erfahren. Für all Ihr Engagement gebühre ihnen Dank.



