Berlin (epd). Um jungen Menschen mit Suizidgedanken zu helfen, setzt die Caritas in Berlin auf Beratung durch Gleichaltrige. Jonathan Sniowski ist einer der sogenannten Peer-Berater im Projekt „U25“. Der 22-Jährige beantwortet E-Mails von Ratsuchenden. „Weil wir gleich alt sind, verstehe ich die Probleme der anderen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Junge Menschen hätten häufig Selbstwertprobleme, fühlten sich einsam, würden gemobbt oder hätten Probleme mit den Eltern. Laut Sniowski führen mehrere Krisen gleichzeitig dazu, dass Menschen auf den Gedanken kommen, ihr Leben zu beenden. Er selbst habe das erlebt.
Suizidalität sollte kein Tabuthema sein
„Es ist problematisch, dass Suizidalität ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist“, sagte der junge Mann. Denn es helfe, über suizidale Gedanken zu sprechen. Wenn es jemandem schlecht zu gehen scheine, solle man die Person direkt ansprechen. Zur erhöhten Suizidrate von Männern sagte Sniowski: „Wir sollten als Männer grundsätzlich mehr über unsere Gefühle sprechen.“ Das sei „eine Stärke, weil es auch Mut erfordert“.
Sniowski begann Anfang des Jahres mit seinem Ehrenamt, weil er anderen helfen wollte. Nach einer viermonatigen Ausbildung fing er an, anonyme E-Mails von Ratsuchenden unter 25 Jahren zu beantworten, begleitet von hauptamtlichen Fachkräften.
Den Blick auf positive Gefühle lenken
Die Initiative „U25“ bietet keine Therapie, sondern ein niedrigschwelliges Gespräch. Menschen können innerhalb von 48 Stunden eine erste Antwort von einer hauptamtlichen Fachkraft erwarten. Binnen sieben Tagen bekommen sie eine persönliche E-Mail von einem Peer-Berater oder einer -Beraterin. In seinen Antworten spiegelt Sniowski nach eigenen Angaben die Gefühle, die er in den E-Mails gelesen hat, und fragt nach: In welchen Situationen empfindest du positive Gefühle? Warum fühlst du dich dann gut? Und woran liegt es, wenn die guten Gefühle verschwinden?
Sniowski erzählte von einer Person, die er beraten hat. Der helfe es, täglich um 12 Uhr Mittag zu essen und im Wald spazieren zu gehen. Solche Routinen trügen zu positiven Gefühlen bei, sagt der Berater.
Ehrenamt als Bereicherung
Außerdem empfiehlt Sniowski, einen gedanklichen Koffer mit Werkzeugen zu packen, um auf andere Gedanken zu kommen. Ein Beispiel sei, extrem scharfe Süßigkeiten zu essen, um wieder etwas zu fühlen. Sniowski beschreibt sein Ehrenamt als sehr bereichernd, vor allem wenn Ratsuchende schöne Momente erleben und dann schreiben: „Danke, dass du mich darauf gebracht hast.“



