Frankfurt am Main (epd). Die Zukunft der „Suryoye“ - einer christlichen-mesopotamischen Gemeinschaft mit aramäischer Sprachtradition - entscheidet sich nach Ansicht des „Forums Suryoyo“ vor allem daran, ob ihre weltweit verstreuten Gemeinschaften ihre Sprache bewahren und politische, wirtschaftliche sowie humanitäre Möglichkeiten für die Herkunftsregionen nutzen. Ihre Gemeinschaften verfügten über „enormes Wissen, einflussreiche Netzwerke und politische Zugänge, die sie zugunsten der Menschen in den historischen Herkunftsregionen einsetzen können“, erklärte Jakob Hanna, Vorsitzender des Forums, auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Hanna ist Oberarzt am RKH Klinikum Ludwigsburg.
Beim „Forum Suryoyo“ an diesem Samstag in Frankfurt am Main sollen Vertreter aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen. Das Forum richte sich gezielt an Suryoye weltweit, sagte Hanna. Erstmals sollten politische Akteure, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler, Unternehmer und kirchliche Vertreter an einem Tisch zusammenkommen. Erwartet werde auch der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II.
Weltweit rund 60 Millionen Gläubige
Mit der Selbstbezeichnung „Suryoye“, die sinngemäß „Syrer“ bedeutet, wolle das Forum Assyrer, Chaldäer und Aramäer unterschiedlicher kirchlicher und identitärer Prägung ansprechen. Das Forum versteht sich als unabhängiger Ort für Reflexion, Dialog und Zusammenarbeit von Suryoye weltweit.
Orientalisch-orthodoxe Kirchen umfassen nach Angaben Hannas weltweit rund 60 Millionen Gläubige. Zu ihnen zählen unter anderem die koptische, armenische, äthiopische und eritreische Kirche sowie Kirchen syrischer und indischer Tradition. Große Gemeinschaften leben weiterhin in Ägypten, Äthiopien, Eritrea, Armenien, Indien und im Nahen Osten. Für Armenier und syrische Christen seien Europa, Nordamerika und Australien infolge von Völkermorden und Vertreibungen im Osmanischen Reich jedoch zu zentralen Lebensräumen geworden.
Neuaramäische Sprachtraditionen gefährdet
Besonders gefährdet sieht das Forum neuaramäische Sprachtraditionen. Das klassische Syrisch werde vor allem als Liturgie- und Kirchensprache gepflegt, sagte die Sprachwissenschaftlerin und Kommunikationsberaterin Yeliz Kavak-Küstner vom „Forum Suryoyo“. Vor allem Surayt oder Turoyo aus der Region Tur Abdin sei jedoch bedroht. In der zweiten und dritten Generation außerhalb der Herkunftsregionen gehe die Zahl der Menschen zurück, die die Sprache aktiv sprächen.
Nötig seien deshalb professionelle Sprachkurse, digitale Lernangebote und vor allem Orte, an denen Aramäisch im Alltag benutzt werde, sagte Kavak-Küstner. Eine Sprache bleibe nur lebendig, wenn sie nicht allein als kulturelles Symbol bewahrt, sondern tatsächlich gesprochen und erlebt werde.



