Berlin (epd). Zum jüdischen Neujahrsfest haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Vertreter von Religionsgemeinschaften zu mehr Engagement gegen Judenhass aufgerufen. „Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind, wenn sie bedroht, beschimpft oder gar angegriffen werden“, heißt es in dem am Donnerstag verbreiteten Schreiben von Steinmeier.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, verwies auf das aktuelle Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Dieses zeige, dass der massiv angestiegene Antisemitismus den Alltag vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland schwer belaste. „Der Antisemitismus zeigt sich heute offen - auf Straßen und Plätzen, in den sozialen Medien und politischen Debatten - und sucht dabei Anschluss an die Mitte der Gesellschaft“, sagte Wilmer laut Mitteilung der Bischofskonferenz. Zudem nähmen die jüdischen Gemeinden in erschütterndem Ausmaß eine Abnahme an Solidarität aus der Zivilgesellschaft wahr. „Diese Entwicklungen können und dürfen wir nicht hinnehmen“, sagte der Bischof von Münster in seiner Botschaft an den Zentralrat der Juden in Deutschland.
Neujahrsfest erinnert an religiösen Bund mit Gott
Das Neujahrsfest erinnert Jüdinnen und Juden an den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel. In diesem Jahr beginnt es am Freitagabend und endet am Sonntag. Anschließend beginnen zehn Bußtage, die mit dem wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungstag, enden.
Bundespräsident Steinmeier erklärte, Deutschland trage eine besondere historische Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens. „Ich wünsche mir, dass die gesamte Gesellschaft diese Verantwortung versteht, mit Entschiedenheit wahrnimmt und für diesen Schutz eintritt, damit Jüdinnen und Juden nie mehr darüber nachdenken müssen, ob sie anderswo sicherer wären“, schrieb er. Man müsse alles daran setzen, „den unerträglichen und weiter wachsenden Antisemitismus hier in Deutschland und auch in Europa zu bekämpfen“.
„Fest der Hoffnung“
Rosch Haschana sei ein Fest der Hoffnung, erklärte Steinmeier. „Die Botschaft, dass es immer aufs Neue möglich ist, einander mit Zuversicht und Zugewandtheit zu begegnen, klingt hoffentlich weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus in die gesamte Gesellschaft hinein.“
Der Münsteraner Bischof Wilmer betonte, die christlich-jüdische Verbundenheit müsse in diesen Zeiten sichtbar werden. Schweigen könne angesichts von Ausgrenzung und Bedrohung keine Haltung sein. „Ausdrücklich möchte ich deshalb den jüdischen Gemeinden in Deutschland unsere bleibende besondere Verbundenheit zusichern: Wir stehen an Ihrer Seite“, hieß es in seiner Grußbotschaft an die jüdischen Gemeinden.



