Köln (epd). Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat mit Entsetzen auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt reagiert. Dass die AfD bei der Landtagswahl in dem Bundesland deutlich über 40 Prozent erreicht habe und die demokratischen Parteien der Mitte stark geschwächt seien, sei „eine große Katastrophe“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland am Donnerstag im Deutschlandfunk.
Sie habe großes Vertrauen in das demokratische Nachkriegs-Deutschland, erläuterte Knobloch. „Dieses Deutschland ist für mich und viele jüdische Menschen wieder Heimat geworden. Ich bitte um Verständnis, dass dieses Vertrauen jetzt stark erschüttert ist“, sagte die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende.
Plädoyer für AfD-Verbot
Mit Blick auf das Programm der Partei betonte Knobloch: „Die AfD ist rechtsextrem“, auch wenn Parteifunktionäre diese Bezeichnung ablehnten. Die frühere Zentralratspräsidentin zeigte keinerlei Verständnis für Menschen, die bei Wahlen für die AfD stimmen: „Das kann ich nicht verstehen und das wird mir auch keiner erklären können.“ Eine rechtsextreme Partei zu wählen, dürfe nach dem Holocaust in Deutschland nicht vorkommen.
Knobloch forderte von der Politik, aber auch von der Zivilgesellschaft und den Medien mehr Einsatz für die Demokratie. „Dazu gehört nach meiner Ansicht das Verbot der AfD“, sagte sie. Ob es für ein Verbotsverfahren „schon zu spät ist, kann ich nicht beurteilen. Aber leider glaube ich daran, dass es zu spät ist“, räumte sie ein.
Die Demokratinnen und Demokraten sind nach ihren Worten immer noch in der Mehrheit. Doch „die Grundwerte in unserem Land brennen“ und der Einsatz für die Demokratie lasse zu wünschen übrig: „Es gibt meiner Meinung nach eine zu große Trägheit in dieser Angelegenheit“, kritisierte Knobloch.



