Rüsselsheim (epd). Die im Frühjahr gestartete Online-Suizidpräventionsberatung der Caritas „U25“ in Rüsselsheim hat nach Angaben der Leiterin Sophia Ebbeler positive Rückmeldungen von jungen Menschen in Krisensituationen bekommen. „Ein Gespräch kann Leben retten“, sagte Ebbeler dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele junge Klienten sagten: „Ich kann mit niemandem sprechen.“ In dem Online-Chat erlebten sie aber, dass ihnen jemand zuhört und sie ernst nimmt. Immer wieder meldeten Klienten zurück, dass das Chat-Gespräch ihnen geholfen habe. Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention.
Die Suizidpräventionsberatung der Caritas Deutschland „U25“ hat im vergangenen Oktober drei Beratungsstellen in Hessen und Rheinland-Pfalz eröffnet, in Rüsselsheim, Mainz und Worms. Die Beratung finde nur online statt, um die Anonymität zu wahren, erklärte Ebbeler. Andernfalls trauten sich Suizidgefährdete meist nicht, über ihre Probleme und Gedanken zu sprechen. Sie fürchteten sonst, verurteilt zu werden oder in eine Klinik eingewiesen zu werden. Zudem sei die Zielgruppe junger Menschen unter 25 Jahren vor allem online unterwegs. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich bundesweit 486 Menschen unter 25 Jahren im Jahr 2023 das Leben genommen, drei Viertel davon männlich.
Junge Freiwillige beraten
In der Chat-Beratung des Netzwerks „U25“ mit inzwischen 14 Standorten in Deutschland beraten nach den Worten von Ebbeler junge Menschen Gleichaltrige. Die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden drei bis vier Monate lang ausgebildet und im Dienst von Hauptamtlichen begleitet. In Rüsselsheim seien nach dem Ende der ersten Ausbildungsrunde und dem Start im Mai zwölf Chat-Klienten beraten worden, meist Schülerinnen ab zwölf Jahren und wenige Studierende. Fast alle hätten Suizidgedanken geäußert und von Essstörungen, Depressionen, Leistungsdruck und familären Problemen berichtet. Eigentlich wollten sie nicht ihr Leben beenden, sondern erreichen, „dass der Schmerz aufhört“, sagte Ebbeler.
Die „U25“-Chat-Beratung sei keine Akutberatung, dann könne stattdessen die Telefonseelsorge oder eine Präsenzberatung helfen, und sie leiste auch keine Therapie, erklärte die Leiterin. Die Chatanfragen würden im deutschlandweiten „U25“-Netzwerk je nach freier Kapazität verteilt. Es kämen mehr Anfragen, als die jungen Beraterinnen und Berater beantworten könnten.
„Ich bin für dich da“
Viele Menschen hätten eine Hemmschwelle, mit Suizidgefährdeten über deren Gedanken zu sprechen, erklärte die Leiterin. Ein Gespräch könne aber viel erreichen. Wichtig sei, keinen Druck auszuüben, wie etwa mit den Worten: „Das kannst du doch nicht machen!“. Stattdessen helfe es, einfühlsam die eigene Wahrnehmung zu schildern: „Du hörst dich verzweifelt an.“ Es gehe darum, das empfundene Leid anzuerkennen. „Man muss keine Lösung haben“, sagte Ebbeler. Es helfe schon viel, spüren zu lassen: „Ich bin für dich da, ich halte das mit dir aus.“



