Charlotte Knobloch: Das Wahlergebnis macht mir Angst

Charlotte Knobloch: Das Wahlergebnis macht mir Angst
"Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können", sagt die Holocaust-Überlebende Knobloch zum Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt.

München (epd). Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigt sich erschüttert vom Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können“, erklärte die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende am Sonntagabend in München. Das Wahlergebnis sei ein Zeichen, „dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert - und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.“

Dass die AfD eine Alleinregierung knapp verpassen dürfte, sei kein Grund zu Zufriedenheit oder gar Freude, sagte sie angesichts der ersten Hochrechnungen. „Ein erschreckend großer Teil der Wähler in Sachsen-Anhalt hat heute klar gezeigt, in was für einem Land sie leben wollen, und dieses Land hat kaum etwas mit der Bundesrepublik gemein“, sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Diese Menschen hätten die Grundlage von Demokratie, Sicherheit und Wohlstand abgelehnt. Dabei hätten sie nebenbei auch die Prinzipien zurückgewiesen, die es der jüdischen Gemeinschaft erst ermöglicht hätten, Deutschland wieder als Zuhause zu begreifen.

Voraussichtlich keine Mehrheit der Sitze im Landtag

Bei der Landtagswahl am Sonntag hat die AfD in Sachsen-Anhalt den ersten Hochrechnungen zufolge deutlich mehr als 40 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Mehrheit der Sitze im Landtag wird die Partei aber vermutlich verfehlen, deren sachsen-anhaltischer Landesverband vom Verfassungsschutz des Bundeslandes als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Die künftige Regierungsbildung blieb am Wahlabend zunächst offen. Alle anderen im künftigen Landtag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD abgelehnt.