Mehr als 260 wegen Missbrauchs Beschuldigte im Erzbistum Paderborn

Mehr als 260 wegen Missbrauchs Beschuldigte im Erzbistum Paderborn
Im Erzbistum Paderborn sind laut der Unabhängigen Aufarbeitungskommission bislang mehr als 260 Beschuldigte im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt bekannt. Mehr als die Hälfte der Verfahren wurde bearbeitet, aber nur ein Teil davon abgeschlossen.

Paderborn (epd). Im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt sind laut der Unabhängigen Aufarbeitungskommission für das Erzbistum Paderborn bis Ende Juni 262 Beschuldigte bekannt geworden. Es handele sich hierbei um Kleriker oder sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst des Erzbistums Paderborn, wie die Kommission in ihrem am Freitag veröffentlichten vierten Jahresbericht mitteilte. 144 der Verfahren um diese Beschuldigten seien bereits bearbeitet worden. 54 dieser analysierten Fälle seien von der Gesamtkommission abschließend besprochen worden, heißt es in dem Bericht.

Studie entspricht weitgehend den Erkenntnissen der Kommission

Die im Frühjahr im Auftrag des Erzbistums veröffentlichte unabhängige Studie zu sexuellen Übergriffen im Erzbistum von 1941 bis 2002 entspreche „im Wesentlichen den Erkenntnissen“ der Kommission, hieß es weiter. Allerdings hätten der Studie in einigen Fällen Akten zugrunde gelegen, die über das hinausgingen, was den Kommissionsmitgliedern vorliege.

Aufgabe der im Jahr 2022 eingesetzten Kommission sei es, sexualisierte Gewalt im Erzbistum Paderborn qualitativ und quantitativ zu erheben und den Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen zu untersuchen, hieß es. Zudem sollen Strukturen identifiziert werden, „die sexuellen Missbrauch ermöglicht, erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben“. Weitere Aufgabe der Kommission sei es, Handlungsempfehlungen für die Aufarbeitung zu geben.

Vorsitzende der Kommission ist die ehemalige Dortmunder Leitende Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies. Zur Kommission gehören weitere Juristen, eine Psychologin, eine Vertreterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands sowie Vertreter von Betroffenen.