Fulda (epd). Der gemeinsame Betroffenenbeirat der katholischen Bistümer Fulda und Limburg fordert die Fuldaer Stadtverordneten auf, am 7. September für eine Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee zu stimmen. Der frühere katholische Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba (1929-2000) solle angesichts seiner Verantwortung für den Umgang mit sexualisierter Gewalt während seiner Amtszeit nicht länger öffentlich geehrt werden, erklärte das Gremium am Freitag.
Im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt hatte es am Montag bei der Abstimmung über die von SPD und Volt beantragte Rückbenennung in Kastanienallee ein Patt gegeben. CDU und AfD unterstützen eine Umbenennung bislang nicht, während die anderen Fraktionen dafür eintreten. Die endgültige Entscheidung soll am 7. September die Stadtverordnetenversammlung treffen.
Hinweise auf Versäumnisse
Der Betroffenenbeirat gehe von einem relevanten Fehlverhalten Dybas aus. Der Abschlussbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda enthalte konkrete Hinweise auf Versäumnisse während seiner Amtszeit. Zudem seien dem Beirat Erfahrungen von Betroffenen bekannt, die die Folgen unterbliebenen Handelns unmittelbar erfahren hätten.
„Wegschauen ist nicht neutral“, hießt es aus dem Gremium. Missbrauch habe auch deshalb über Jahrzehnte fortbestehen können, weil Verantwortliche nicht eingegriffen, Betroffene unzureichend geschützt und institutionelle Interessen vorangestellt hätten.
Der Beirat appelliere insbesondere an die CDU-Fraktion, ihre angekündigte Ablehnung der Umbenennung zu überdenken. Verantwortung dürfe nicht auf die Frage reduziert werden, ob Dyba strafrechtlich relevantes Verhalten nachgewiesen werden könne. Für Betroffene sei es schwer erträglich, wenn eine Person weiterhin geehrt werde, obwohl in ihrem Verantwortungsbereich notwendiges Eingreifen unterblieben sei.



