Unicef warnt vor Online-Missbrauch von Kindern

Unicef warnt vor Online-Missbrauch von Kindern
Sexuelle Gespräche gegen ihren Willen, Verbreitung von anzüglichen Bildern oder ungewollte sexuelle Inhalte im Netz: Das Kinderhilfswerk Unicef hat in 21 Ländern untersucht, wie Kinder online belästigt und sexuell ausgebeutet werden.

Köln, New York (epd). Das Kinderhilfswerk Unicef warnt vor der zunehmenden Verbreitung sexuellen Missbrauchs und sexueller Ausbeutung von Kindern über das Internet. Digitale Tools und Plattformen würden etwa dazu eingesetzt, Kinder in sexuellen Inhalten darzustellen, diese zu verbreiten und Kinder anzusprechen, zu nötigen oder zu erpressen, erklärte Unicef am Donnerstag in Köln und New York zur Veröffentlichung einer Studie zu Online-Missbrauch. Dafür wurden 21 Länder untersucht, vor allem in Afrika, Asien, Lateinamerika, aber auch Osteuropa. Deutschland war nicht dabei. Befragt wurden Kinder von zwölf bis 17 Jahren, die das Internet nutzen.

Das Kinderhilfswerk schätzt auf der Grundlage der Ergebnisse, dass 20 Millionen Kinder in den 21 Ländern im Jahr vor der Befragung von mindestens einer Form sexuellen Missbrauchs oder sexueller Ausbeutung betroffen waren. Mehr als 15 Millionen von ihnen seien ungewollt sexuellen Inhalten ausgesetzt gewesen. Neun Millionen seien aufgefordert worden, gegen ihren Willen sexuelle Gespräche zu führen oder sexuelle Bilder zu teilen. Von vier Millionen Kindern seien sexuelle Bilder ohne ihre Zustimmung verbreitet worden. „Das tatsächliche Ausmaß des Problems ist wahrscheinlich noch weitaus größer, da viele Kinder diese Erlebnisse nicht melden“, betonte Unicef.

Unicef-Direktorin: Dürfen nicht wegsehen

„Wir dürfen nicht wegsehen“, mahnte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Ausbeutung und Belästigung passierten oft in den digitalen Räumen, in denen Kinder lernten und spielten, mit Freundinnen und Freunden in Kontakt seien. „Diese Erfahrungen verursachen tiefgreifende seelische und psychische Belastungen“, erklärte Russel. Der Untersuchung zufolge fanden nahezu 60 Prozent der Fälle auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und WhatsApp statt. Weitere 14 Prozent der Fälle seien in Online-Spielen passiert.

Der Bericht verbindet Erkenntnisse aus zwei Forschungsrunden des Projekts „Disrupting Harm“. Dabei wurden den Angaben zufolge zwischen 2020 und 2025 rund 21.000 Kinder in Äthiopien, Indonesien, Kambodscha, Kenia, Malaysia, Mosambik, Namibia, den Philippinen, Tansania, Thailand, Uganda und Vietnam sowie Armenien, Brasilien, der Dominikanischen Republik, Kolumbien, Mexiko, Montenegro, Nordmazedonien, Pakistan und Serbien befragt.