Berlin (epd). Im Berliner Regierungsviertel ist am Dienstag an den deutschen Überfall auf Polen vor 87 Jahren erinnert worden. Der Angriff am 1. September 1939 markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die mehr als fünf Jahre dauernde Besatzungsherrschaft forderte in Polen über fünf Millionen zivile Tote, darunter rund drei Millionen ermordete jüdische Kinder, Frauen und Männer.
Bei einer gemeinsamen deutsch-polnischen Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Kroll-Oper im Berliner Regierungsviertel erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), aus der Geschichte erwachse die Verpflichtung, „gemeinsam an einem friedlichen, geeinten und demokratischen Europa zu arbeiten“. Zugleich kündigte er an, die deutsch-polnischen Beziehungen und die Städtepartnerschaft mit Warschau weiter zu stärken.
In der Kroll-Oper hatte Adolf Hitler am 1. September 1939 den Überfall Deutschlands auf Polen verkündet. Gegenüber der Reichstagswiese befindet sich seit Juni vergangenen Jahres als temporäres Gedenkzeichen für die polnischen Opfer ein 30 Tonnen schwerer Findling und ein Wildapfelbaum. An der Gedenkveranstaltung unter freiem Himmel nahmen am Dienstagnachmittag rund 200 Menschen teil, darunter einer der Initiatoren für das Polen-Denkmal, der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD).
Polen-Denkmal soll 2027 starten
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) kündigte am Dienstag an, dass die Errichtung des geplanten dauerhaften Denkmals für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs und die Opfer der deutschen Besatzung in Polen zwischen 1939 und 1945 im kommenden Jahr starten soll. Derzeit laufe noch der Gestaltungswettbewerb. Im Dezember werde ein Preisgericht über einen Siegerentwurf beraten.
Die Gedenkveranstaltung wird seit mehreren Jahren vom Deutschen Polen-Institut und der Stabsstelle „Deutsch-Polnisches Haus“ bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas organisiert. Stiftungsdirektor Uwe Neumärker erklärte, „der 1. September 1939 ist der Tag, der die deutsch-polnische Nachbarschaft bis heute maßgeblich prägt“. Der Überfall der Wehrmacht und die anschließende Besatzungsherrschaft hätten in ihrer außergewöhnlichen Brutalität fortwährende Wunden in Polen geschlagen. „In Deutschland hingegen ist dieses Datum weitgehend vergessen.“ Er hoffe, dass sich dies durch ein Denkmal für die polnischen Opfer und das geplante Deutsch-Polnische Haus ändern werde.
Der geschäftsführende polnische Botschafter, Jan Tombinski, erklärte: „Der 1. September 1939 gehört zu den tragischen Daten der Weltgeschichte.“ Heute gehe es darum, den Frieden als Verbündete zu wahren. Während in Polen allerorten an den 1. September 1939 erinnert werde, sei das Datum in den deutschen Medien kaum präsent.



