"Rote Karte" für die meisten Spitzenpolitiker beim Dienstwagen-Check

"Rote Karte" für die meisten Spitzenpolitiker beim Dienstwagen-Check
Zum 20. Mal hat die Deutsche Umwelthilfe die Dienstwagen aus dem Politikbetrieb verglichen. Der EU-Flottengrenzwert wird von der Mehrheit überschritten, der Verband beklagt Stagnation. Laut Umwelthilfe wird zu häufig auf Plug-In-Hybride gesetzt.
01.09.2026
epd
Von Jonas Grimm (epd)

Berlin (epd). Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge haben 160 von 249 Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker mit ihrem CO2-Ausstoß den EU-Flottengrenzwert überschritten. Besonders kritisch bewertete die DUH bei der Vorstellung ihres Dienstwagen-Checks 2026 am Dienstag in Berlin den Anstieg von „klimaschädlichen Plug-In-Hybriden“.

Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge sei 2025 minimal zurückgegangen und liege bei 36 Prozent, hieß es. Im vergangenen Jahr überschritten außerdem ähnlich viele Dienstwagen, 153 von 238, den EU-Flottengrenzwert. Dieser liegt bei 93,6 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, ab einer Überschreitung von 20 Prozent (112,3 Gramm) gab es eine „rote Karte“.

Plug-Ins näher am Verbrenner

Es sei nicht egal, für welches Fahrzeug sich eine Politikerin oder ein Politiker entscheide, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Vollstromer würden im Durchschnitt nur 62 Gramm CO2 je Kilometer verursachen, Plug-Ins kämen im Schnitt auf 179 Gramm, Verbrenner auf 193 Gramm. Damit lägen Plug-Ins näher am Verbrenner als am Elektroauto, sagte Metz.

Sie forderte, dass Amtsträger „beim eigenen Dienstwagen mit gutem Beispiel vorangehen“. Wer politische Verantwortung trage, sollte keine Neuwagen fahren, die über dem EU-Flottengrenzwert liegen. Es sei nicht mehr vermittelbar, „von Bürgerinnen und Bürgern Transformation zu verlangen“, aber beim eigenen Dienstwagen „den Rückwärtsgang einzulegen“. Länger auf Verbrenner zu setzen, sei „klimapolitisch der falsche Weg und industriepolitisch ebenso“, mahnte Metz.

Alabali Radovan und Özdemir am sparsamsten

Innerhalb der Bundesregierung belegen demnach Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit jeweils 169 Gramm CO2 je Kilometer den schlechtesten Platz. Unter den Länderchefs liegen die Werte noch höher: Die Autos von Hendrik Wüst (CDU, Nordrhein-Westfalen), Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) und Kai Wegner (CDU, Berlin) liegen den Angaben zufolge bei jeweils 262 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer.

In der Bundesregierung sei Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mit 64 Gramm CO2 je Kilometer am sparsamsten gefahren, hieß es. Bei den Ministerpräsidenten lag demnach Cem Özdemir (Grüne, Baden-Württemberg) mit 66 Gramm vorne. Im bundesweiten Parteienvergleich erhielten lediglich die Grünen eine „grüne Karte“ mit 89 Gramm im Schnitt. Auf dem letzten Platz landete die FDP mit 196 Gramm im Durchschnitt.

Berliner Landesregierung umweltfreundlich unterwegs

Im Vergleich der Landesregierungen schnitt Berlin mit 99 Gramm CO2 pro Kilometer am besten ab. Durchgehend „rote Karten“ erhielten die Landesregierungen in Sachsen-Anhalt (CDU, SPD, FDP, 178 Gramm) und Mecklenburg-Vorpommern (SPD, Linke, 181 Gramm).

Der 20. Dienstwagen-Check beruht laut Angaben der DUH auf einer Abfrage von Januar bis Juni 2026 unter Amtsträgern, die zum Zeitpunkt der Befragung ihr Amt ausübten. Sondergeschützte Fahrzeuge, für die es auch aus sicherheitstechnischen Gründen keine Daten gebe, wie das des Bundeskanzlers, wurden nicht in die Gesamtwertung aufgenommen. Die DUH nimmt für Plug-Ins einen elektrischen Fahranteil von elf Prozent an. Für Elektrofahrzeuge seien die Daten des deutschen Strommixes berücksichtigt worden.