Berlin (epd). Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein hat anlässlich des Antikriegstags seinen Gewissenskonflikt in Bezug auf den Ukrainekrieg zum Ausdruck gebracht. „Es zerreißt mich und ich glaube, es zerreißt sehr viele Menschen“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Dienstag im RBB-Inforadio. Der Antikriegstag erinnert an den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann.
Stäblein sagte, es sei einerseits „das klare Gebot Gottes, Frieden zu wahren, Frieden zu suchen und von Waffen abzulassen“. Die große Verheißung der Bibel sei, dass aus Schwertern Pflugscharen werden. Auf der anderen Seite würden aber Menschen in dieser Welt angegriffen. Seit Jahren tobe nun Russlands völkerrechtswidriger Angriffskrieg gegen die Ukraine. Er könne Gewalt nie gutheißen, betonte er. Es gebe jedoch Momente, in denen sogenannte „rechtserhaltende Gewalt“ zulässig sei.
Um Frieden beten
„Der Pazifismus als Tradition gehört in jedem Fall zu uns, gehört auch zum biblischen Zeugnis“, sagte Stäblein. Er finde sich auch in der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2025, in der Gegengewalt zur Abwehr eines Aggressors unter Umständen als legitim eingeordnet wird. Zugleich betonte der Bischof, dass es die erste Aufgabe eines Christenmenschen bleibe, um Frieden zu beten. Es müsse jedoch ein gerechter Frieden sein, „der seinen Namen auch verdient.“



